"Le Bal" oder "La Danse"
Marie Laurencin
1927
Das zarte, duftige Aquarell ist ein charakteristisches Beispiel für die schon früh ausgeprägte persönliche Eigenart von Laurencins Kunst, in deren Mittelpunkt vor allem zu einem einheitlichen Schönheitsideal stilisierte, grazile Mädchen mit träumerisch, schwermütigen Augen stehen. Sie fügen sich gemeinsam mit einer zart nuancierten, delikaten Farbpalette gleichsam zu einem einheitlich dekorativen Ornament. #Jean Apollinaire, der mit Marie Laurencin befreundet war, bezeichnete 1913 in seinem Buch "Les peintres cubistes" ihre unwirklichen Figuren als weibliche Arabesken und sah ihre Malerei als Ausdruck weiblicher Ästhetik.
Das Aquarell der Albertina steht in einem unmittelbaren Zusammenhang zu zwei, allerdings hochformatigen Ölbildern, mit den Titeln "La Danse" und in seitenverkehrter Ansicht "Les Comédiennes", die 1927 datiert sind und die gleiche Komposition mit einer Gitarre spielenden sitzenden jungen Frau und zwei eng umschlungen tanzenden Mädchen zeigen (Marchesseau 1986, Nr. 408, 409, Abb.). Ebenfalls in diese Reihe gehört die Radierung "Le Bal" (Marchesseau 1981, Nr. 127), die wie das Albertina-Blatt ebenfalls als Querformat konzipiert wurde.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 446, Nr. 202.
