Weiblicher Akt
Gaston Lachaise
1934
Die Zeichnung eines weiblichen Aktes mit riesiger Brust und überdimensionalen Brustwarzen entspricht trotz karikaturhafter Züge dem Frauentypus, den Lachaise in seinen Skulpturen geschaffen hat: Robuste, voluminöse Erscheinungen mit übertrieben hervorgehobener Muskulatur und auffallender Betonung des Busens. Die kraftvollen, monumentalen, matriarchalisch wirkenden Figuren, die tektonisch klar und vereinfacht strukturiert sind, strahlen Stärke und Vitalität aus. Lachaise fand das Ideal weiblicher Schönheit in seiner Ehefrau und gleichzeitig seinem Lieblingsmodell #Isabel Dutaud Nagle verkörpert. Er hatte sie noch als Student als verheiratete Frau in Paris kennen gelernt und war ihr 1906 nach Amerika gefolgt. 1916 wurde Lachaise amerikanischer Staatsbürger und 1917 nach deren Scheidung ihr Ehemann.
Für die 1934 datierte Zeichnung der Albertina lassen sich stilistische und motivische Parallelen zu etwa zeitgleichen Skulpturen erkennen: die empor gestreckten, muskulösen Arme sowie die großen, schweren Brüste, die an die Venus von Willendorf - den Inbegriff weiblicher Fruchtbarkeitssymbolik - erinnern, finden sich ähnlich in der Bronzestatue einer "Knienden Frau" 1932-1934 (Boston, Lachaise Foundation; Abb. in: Nordland 1974, S. 145, Abb. 79) und dem "Torso mit erhobenen Armen" von 1935 (New York, Whitney Museum of American Art; Abb. in: Hunter 1993, Abb. S. 225-227).
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 444, Nr. 201.
