Waldstück
Paul Huet
1820
Huet, von der zeitgenössischen Kritik vor allem wegen seiner romantischen Landschaftsauffassung gerühmt (siehe z.B. Théophile Gautier 1848 und 1855, zit. in: Miquel 1975, II, S. 222 und S. 228), begann seine Ausbildung bei #Narcisse Guérin und #Antoine Gros. Durch ihn lernte er 1819 #Richard Parks Bonington kennen, dessen freie Pinselführung und unmittelbare Sicht der Natur einen großen Einfluss auf seine weitere künstlerische Entwicklung hatte. Ab 1822 verband Huet eine lebenslange Freundschaft mit #Eugène Delacroix, der mit ihm seine Begeisterung für die neue englische Malerei, für Bonington und #John Constable teilte. Gleich den Gepflogenheiten der Künstler von Barbizon, zu denen er enge Kontakte pflegte, bereiste und malte Huet vor allem die heimische Landschaft. Seine Darstellungen der Frühzeit sind nicht nur von einem starken lyrischen, stimmungshaften Naturempfinden geprägt, das ihn zum Vorläufer der nächsten Generation, von #Dupré und #Rousseau, werden ließ, sondern zeigen darüber hinaus eine weitgehend von Bonington beeinflusste, freie, skizzenhafte, sich auf das Wichtigste beschränkende Malweise, die bereits
impressionistische Tendenzen vorwegzunehmen scheint.
Ein imponierendes Beispiel für Huets unmittelbare, spontane Naturwiedergabe stellt die vorliegende, frühe Ölstudie dar, die mit minimalem Aufwand die Lichtstimmung in einem verwachsenen Waldstück zum Ausdruck bringt. Die Skizze gehört zu den sogenannten "Sous Bois", Ansichten einer Partie im Waldesinneren, die Huet - wie auch #Diaz und Rousseau - häufig gemalt hat.
Die Ölstudie entstand 1820, vermutlich auf der wegen ihrer prachtvollen Baumlandschaft berühmten Insel Séguin bei Saint-Cloud, wo sich Huet in diesen Jahren des Öfteren aufhielt. Mit einem Gewirr aus flüchtigen, pointilistisch wirkenden Pinselstrichen in reich nuanciertem Grün deutet Huet dichtes Laubwerk über größtenteils mit breitflächigen Ockertönen angelegtem Hintergrund an, lässt durch differenzierte Weißhöhungen funkelnde Glanzlichter entstehen und erweckt den Eindruck warmen Sonnenlichts, das das Waldesdickicht durchdringt und mit seinen Helldunkelkontrasten das Farbenspiel der Blätter intensiv zum Leuchten bringt.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 424, Nr. 191.
