Schwäbischer Meister, Bauhüttenbuch des Wolfgang Rixner: Diverse Konstruktionszeichnungen und A…
Bauhüttenbuch des Wolfgang Rixner: Diverse Konstruktionszeichnungen und Anleitungen
Schwäbischer Meister, Bauhüttenbuch des Wolfgang Rixner: Diverse Konstruktionszeichnungen und Anleitungen, Inv. Nr.: Buch-Cim/VI/55_47111
Image: ALBERTINA, Wien Copyright: Gemeinfrei

Bauhüttenbuch des Wolfgang Rixner: Diverse Konstruktionszeichnungen und Anleitungen

Schwäbischer Meister

spätes 15. Jahrhundert




erwähnte Person(en) (Österreich)
Datespätes 15. Jahrhundert
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Braun und Schwarz, Papierschnitte
Dimensions22,4 × 16,6 × 4,8 cm
Object numberBuch-Cim/VI/55_47111
Text
Zur spätmittelalterliche Baupraxis gehört der intensive Erfahrungsaustausch, der durch Wanderungen von Meistern und Gesellen realisiert werden konnte. So wusste man, was andernorts gemacht wurde, arbeitete gemeinsam an Gestaltungslösungen und hielt das eigene architektonische Schaffen up to date. Bauhüttenbücher sind Sammlungen, die solche speziellen Interessen ihrer Verfasser widerspiegeln. Im Exemplar der Albertina sind es Gewölbeformationen, Maßwerkfenster, gewendelte Treppen, Ziergiebel, schließlich auch Wasser- und Brückenbau. Eingeklebt wurde auch eine Handvoll dekorativer Druckgrafiken. Einige architektonische Probleme werden theoretisch erörtert. Beachtung verdient auch eine Anleitung zur Herstellung von Carta pesta (S. 67) und die Leserschaft wird dankbar die Empfehlung für ein Haarwuchsmittel zur Kenntnis nehmen, die zusammen mit einem Trick, die Gunst von Respektspersonen zu gewinnen, notiert wurde, nämlich sich das Auge eines Geiers an den linken Arm zu binden (S. 18).

Kompiliert wurde das Buch um 1470/80 im schwäbischen Raum. Der spätere Besitzer Wolfgang Rixner gibt sich bei einem von mehreren Namenseinträgen als Schwazer, also Tiroler zu erkennen (S. 251), und auch ein nachfolgender Eigentümer, Jörg Reiter, der das Buch gegen 1599 erhalten hat (S. 248), scheint aus dem bayerisch-westösterreichischen Raum zu stammen. Wie kostbar beiden der Besitz war, zeigt sich bei Rixner in der Formulierung »das puech … ist Jm lieb wer[t]« (Das Buch ... ist ihm teuer), bei Reiter in der drastischen Warnung »war jmms nimmb der ist diedt« (Wer es ihm nimmt, der ist tot).

Der Zeichner hat sorgfältig mit Zirkel und Lineal konstruiert, erwies sich aber dort, wo freihändiges Zeichnen gefordert war, als überfordert. Eine Besonderheit des Buchs ist, dass bei den meisten Zeichnungen die Zwischenräume ausgeschnitten wurden. Im 20. Jahrhundert wurden diese Seiten aus dem Buch entnommen und auf schwarze Trägerkartons montiert. Die ursprüngliche Konzeption ist leider nicht dokumentiert worden. Nun existiert mit dem Bauhüttenbuch des Meisters WG aus dem Jahr 1572 ein vergleichbares Stück (Frankfurt am Main, Städel Museum, Graphische Sammlung, Inv. 2026), das mit dem Rixnerschen in Motivauswahl und Machart so eng übereinstimmt, dass wir annehmen möchten, der spätere Zeichner habe bei der Herstellung seines Buchs das ein Jahrhundert ältere zur Hand gehabt. Demnach war um jeden geschnittenen Doppelbogen ein rot gefärbtes Papier eingebunden, vor dem sich die spitzenartig perforierten Darstellungen wie halbabstrakte Flächenmuster abhoben. Neben der reinen Dokumentation war also die Absicht des Verfassers, sein Thema unter Ausschöpfung aller Gestaltungsmöglichkeiten des Papiers in ästhetisch besonders ansprechender Form zu präsentieren.

Cristof Metzger in: Faszination Papier, hrsg. von Ralph Gleis, Katharina Hövelmann, Elsy Lahner, Eva Michel (Ausst.-Kat. Albertina, Wien), Wien 2025, S. 20.

 

 

Bibliography
  • Kurt Rathe, Ein Architektur-Musterbuch der Spätgotik mit graphischen Einklebungen, in: Festschrift der Nationalbibliothek Wien. Herausgegeben zur Feier des 200jährigen Bestehens des Gebäudes, Wien 1926, S- 667–692
  • Elke Weber, Das Steinmetzbuch „WG 1572“ im Städelschen Kunstinstitut zu Frankfurt am Main, Magisterarbeit Uni Köln 1977, S. 19
  • Hubertus Günther, Vorlagensammlungen, in: ders. (Hrsg.), Deutsche Architekturtheorie zwischen Gotik und Renaissance, Darmstadt 1988, S. 22–26, hier S. 25
  • Ausst.-Kat. Les Bâtisseurs des Cathédrales gothiques, Strasbourg 1989, S. 283 (Beitrag Roland Recht
  • als Standort irrt. Nationalbibliothek), 367–368, Nr. B 22 (Anke Vrijs)
  • Franz Bischoff, Burkhard Engelberg. „Der vilkunstreich Architector und der Statt Augspurg Wercke Meister“, Augsburg 1999, S. 268–283, bes. S. 271
  • Femke Speelberg, Wenzel von Olmütz in Ulm? Discoveries and New Hypotheses Regarding his Architectural Prints, in: Print Quarterly, XLI, 2024, 1, S. 3–15, hier S. 10 (zum Kupferstich fol. 15, zug. am Wenzel von Olmütz)
  • Provenance
  • Wolfgang Rixner, Schwaz (Eintragungen auf S. 1: „Das puech gehert dem wolfgang / Rixner vnnd ist Jm lieb wir“, S. 4: „wolfganng Rixner“, S. 9: „wolffganng Rixner“ [gestrichen], S. 251: „Wolffganng Rixner zuo schwatz“
  • 1599 Jörg Reiter, Zeil (Eintragungen auf S. 248: „Das buoch gehert dem Mayster / Reiter Maurermayster zuo Zeijll / war imms nimmb dar ist diedt [wer es ihm nimmt, der ist tot] / Ao 1599 Jar“, S. 250: „Das buoch gehert dem Mayster Jerg Reit[er]“)
  • Privatbesitz Wien
  • um 1914/18 an die Hofbibliothek

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    Last edited09.03.2026