Himmelfahrt Mariae
Nicolas Dorigny
Die zweifellos sehr alte Annotation auf der Zeichnung rechts unten läßt uns die traditionelle Zuschreibung an Nicolas Dorigny aufrechterhalten, obwohl die Zeichnung im Vergleich zu Blättern des Künstlers im Nationalmuseum Stockholm freier und in großen Partien auch skizzenhafter ist und sich aus diesem Grund nicht so recht in das bekannte Œuvre des Künstlers einfügen läßt. Die Zeichnungen des Stockholmer Bestandes von Nicolas Dorigny (siehe Bjurström 1976, Nr. 357-375) geben mit ihrer trockenen und mit dem Rötelstift erfolgten Ausführung viel deutlicher zu erkennen, daß es sich um Nachzeichnungen handelt, die der Künstler, übrigens im Auftrag von Nikodemus dem Jüngeren in Rom anhand römischer Vorbilder anzufertigen hatte. Interessanterweise listet Bjurström (1976, Nr. 376-384) auch einige Blätter im Schwedischen Nationalmuseum auf, die etwas freier und malerischer wirken und offenbar auch deswegen in ihrer Zuschreibung an Nicolas Dorigny als fraglich beurteilt wurden. Das Albertina-Blatt geht in seiner freieren Strichführung und partienweisen Skizzenhaftigkeit auch noch über diese Gruppe in Stockholm hinaus. Allein die oben erwähnte, vielleicht sogar eigenhändige Bezeichnung und die an den Cortona-Kreis erinnernde und damit an Dorignys Tätigkeit als Stecher nach römischen Vorbildern gemahnende Auffassung binden uns an die traditionelle Zuschreibung. Es stellt sich die Frage, wie es wohl zu dieser Zuschreibung an den nicht sehr bekannten Künstler Nicolas Dorigny gekommen wäre, wenn sich hier nicht altes Wissen tradiert hätte. Leider ist es uns nicht gelungen, das mögliche Vorbild dieser Zeichnung aufzufinden. Fraglich bleibt darüber hinaus, warum das Blatt offenbar nicht fertig gezeichnet wurde und welcher Zweckbestimmung es gedient haben mag, ist uns auch kein danach ausgeführter Stich bekannt.
Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Heinz Widauer (Bearb.), Die französischen Zeichnungen der Albertina. Vom Barock bis zum beginnenden Rokoko. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. X, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 193, Nr. 975.
