Zeichnung nach dem Kuppelfresko in Val-de-Grâce
Anonym
nach 1663
Die vorliegende Zeichnung gibt Pierre Mignards 1666 ausgeführtes Kuppelfresko in der Kirche Val-de-Grace wieder, das wegen seines großen Erfolges von Michel Corneille II in Grisaille übertragen wurde (siehe Louvre Inv. 31328, GM 9992). Von dem Grisaillebild stellte Gérard Audran (1640- 1703) zwischen 1691 und 1693 einen großformatigen, aus sechs Teilen bestehenden Stich her (siehe Colloque Mignard 1995[1997], pp. 165-167). Corneilles Grisaillebild diente als morceau de reception Pierre Mignards für dessen Bestellung als Rektor, Kanzler und Direktor der Académie royale in einer Person und war sicherlich Leitbild für Studenten von Michel Corneille II, der seit 1673 Professor an der Akademie war. Die traditionelle Zuschreibung dieses Blattes an Antoine Dieu scheint uns aus stilistischen Gründen nicht zuzutreffen. Vielmehr glauben wir den Schöpfer dieses Blattes entweder in Michel Corneille II oder in seinem Umkreis zu sehen. Stilistisch läßt sich die vorliegende Zeichnung recht gut mit Blättern in der Albertina vergleichen, die wir selbst zwar noch 1993 der traditionellen Zuschreibung folgend im Œuvre Sebastien Bourdons bzw. seines Umkreises belassen haben (siehe Knab, Widauer 1993, F. 332 = 11638), die aber von Pierre Rosenberg (mündliche Mitteilung vom 17.1.1994) Michel Corneille II oder dessen Umkreis zugeschrieben wurden (Knab, Widauer 1993, F. 335 und F. 336 = Inv. 11629, Inv. 11627).
Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Heinz Widauer (Bearb.), Die französischen Zeichnungen der Albertina. Vom Barock bis zum beginnenden Rokoko. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. X, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 42, Nr. 434.
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