Tempelgang Mariä
Antoine Bouzonnet Stella
Aufgrund der ausgewogenen Komposition mit friesartiger Anordnung der Protagonisten und der modellierten Draperie sowie der an Jacques Stella erinnernden Realistik in den Gesichtern und der peniblen Strichführung glauben wir, entgegen der traditionellen Zuschreibung an Pierre Mignard, in diesem Blatt eine Zeichnung Antoine Bouzonnet Stellas zu erkennen (wir danken Alvin L. Clark für die Bestimmung dieser Zeichnung). Durchgriffelungsspuren und der Raster lassen auf eine Stichvorzeichnung schließen, die möglicherweise von seiner Schwester Antoinette ausgeführt werden sollte; eine entsprechende Radierung konnte jedoch nicht aufgefunden werden. In der genauen Beschreibung von Einzelheiten, der sorgfältigen Applikation von Deckweißhöhungen und des sorgfältigen Striches geht diese Zeichnung über ein stilitisch vergleichbares Blatt in der Sammlung Prat in Paris (siehe New York 1990/91, p. 76, Nr. 21) hinaus und erinnert in der Präzision an Zeichnungen seines Onkels Jacques Stella (siehe z. B. Paris 1993[1], Nr. 46, New York 1990/91, Nr. 14 und Cambridge 1998, Nr. 10).
Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Heinz Widauer (Bearb.), Die französischen Zeichnungen der Albertina. Vom Barock bis zum beginnenden Rokoko. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. X, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 80, Nr. 557.
