Petrus Canisius
Dominicus Custos
1612
Peter de Hondt (1521–1595), der als Petrus Canisius (lat. Canis = Hund) in die Geschichte eingehen sollte, war Sohn des Bürgermeisters von Nimwegen. Dass am Tag seiner Geburt über Martin Luther die Reichsacht verhängt wurde, ist eine schöne Zufälligkeit der Geschichte, wurde Canisius als erster niederländischer Jesuit – als Mitglied Nr. 8 trat er 1543 dem erst wenige Jahre zuvor gegründeten Orden der „Societas Jesu“ bei – doch zu einem der einflussreichsten Vorkämpfer der Gegenreformation in Deutschland. Seine steile Karriere nahm ihren Anfang, als ihn 1547 der Augsburger Bischof Kardinal Otto Truchsess von Waldburg zum Konzil von Trient entsandte. Aus seinem Amt als Vizekanzler und Professor für kanonisches Recht an der Universität Ingolstadt wurde er 1552 nach Wien beordert, um dort die Gegenreformation voranzutreiben. Als Administrator der Diözese Wien setzte er ein striktes Verbot lutherischer Gottesdienste in privaten Bürgerhäusern und im Wiener Rathaus durch. Im gesamten süddeutschen und österreichischen Raum entfaltete Canisius ein reges Wirken, das sowohl Ferdinand I. als auch Papst Gregor XIII. mit höchstem Vertrauen auch in Canisius Kompetenzen als Kirchenpolitiker honorierten. Von 1559 bis 1566 wirkte er als Domprediger in Augsburg und war von 1571 bis 1577 Hofprediger Erzherzog Ferdinands in Innsbruck. 1581 bezog er das von ihm begründete Kollegium Sankt Michael in Freiburg (Fribourg) in der Schweiz, wo er 1597 starb.
Den Reformatoren gegenüber wahrte Canisius vornehme Zurückhaltung und sprach lediglich von „neuen Lehrern“ und „neuen Lehren“. Bekämpfen wollte er sie nicht mit dem Schwert, sondern dem Wort und behutsamen Neuerungen in der Seelsorge: So prangerte er selbst kirchliche Missstände auf das Schärfste an und veröffentlichte 1555 als Antwort auf Martin Luther seinen Katechismus, der unter dem Titel „Summa doctrinae christianae“ allein bis zu seinem Tode 200 mal nachgedruckt wurde.
Unser Bild von Canisius bestimmt bis heute das postume Porträt, das der in Antwerpen geborene, in Augsburg wirkende Kupferstecher und Verleger Dominicus Custos für sein Opus „Clarissimorum litteris, ingenio, fama Virorum Effigies“ entwarf, eine 1612, im Todesjahr des Künstlers, erschienene Sammlung von 39 Porträts bedeutender katholischer und evangelischer Persönlichkeiten, die dem Augsburger Kaufmann, Kunstagenten und Diplomaten Philipp Hainhofer gewidmet war. Das Blatt zeigt das ausgemergelte, bärtige Antlitz des Gelehrten im Typus des Großinquisitors. Oder hat es umgekehrt und durch seine vielfache Kopie unsere Imagination des mit Worten und Taten Richtenden erst begründet?
Christof Metzger, in: Sabine Haag, Veronika Sandbichler (Hg.), Ferdinand II. 450 Jahre Tiroler Landesfürst (Kat. Ausst., Schloss Ambras, Innsbruck 2017), Innsbruck ; Wien 2017, S. 156, Nr. 4.17
