Albrecht Dürer , Felslandschaft mit Turm und Wanderer, Inv. Nr.: 3055
Felslandschaft mit Turm und Wanderer
Albrecht Dürer , Felslandschaft mit Turm und Wanderer, Inv. Nr.: 3055
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Felslandschaft mit Turm und Wanderer

Albrecht Dürer

1490-1492




Noch aus den 1490er-Jahren datiert Dürers erstes reines Landschaftsbild. Es ist bis auf den flüchtig skizzierten winzigen Wanderer im Vordergrund menschenleer. Hauptthema ist das im Vordergrund detailliert wiedergegebene Felsmassiv, das Dürers Interesse an dessen Form und Struktur zeigt. Eine topografische Bestimmung ist weder möglich noch beabsichtigt: Real Gesehenes und Fantasie vermischen sich, der Felsen wird mit einer grob skizzierten Burg kombiniert. In Dürers Werkstatt fanden derartige Blätter als Vorlagen für Hintergrundlandschaften in Gemälden oder Druckgrafiken vielfältige Verwendung.



Bei der Felslandschaft mit Turm und Wanderer handelt es sich um die früheste erhaltene reine Landschaftszeichnung von Dürers Hand. Die skizzenhafte Figur des Wanderers am unteren Bildrand spielt für die Darstellung selbst keine Rolle. Das Hauptaugenmerk gilt der detailliert wiedergegebenen Felsformation im Vordergrund. Das Blatt steht am Anfang einer ganzen Reihe von gezeichneten oder aquarellierten Studien, in denen sich Dürer Gesteinsformationen widmet. Es zeigt keine topografisch bestimmbare Örtlichkeit. Obwohl von realen Landschaften inspiriert, haben wir es wohl mit einer Zusammenstellung gestalterisch interessanter Landschaftssujets zu tun.



This depiction of a rocky landscape with tower and wanderer is Dürer’s earliest known pure landscape drawing. The sketched figure of the wanderer on the lower edge of the sheet is in itself of no significance for the picture. Attention is paid above all to the detailed representation of the rock formation in the foreground. The sheet is the first of a whole series of drawn or watercolored studies that Dürer devoted to the study of this theme. The artist has not depicted a topographically identifiable location; although inspired by real sceneries, the drawing is presumably an assemblage of artistically interesting landscape motifs.



Künstler:in (Nürnberg 1471 - 1528 Nürnberg)
Date1490-1492
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Schwarzbraun
Dimensions22,4 x 31,6 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number3055
Markingsr.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Watermarkkein WZ
Text

Das primäre Anliegen dieser frühen Landschaftszeichnung ist die detailreiche Schilderung von pittoresk geschichteten Felsplatten. Die konzentrierte Erfassung des Hauptmotivs zeigt, wie weit Dürers Entwicklung als Landschaftszeichner bereits gediehen war. Die Datierung für das Blatt reicht von 1490, 1490/92 über die erste Italienreise 1494/95 bis zur Zeit um 1500. Versuche, Landschaft und Architektur zu benennen, scheiterten bis heute. Man glaubte einmal fränkische, dann wieder Motive aus Südtirol erkennen zu können. Die höchst skizzenhafte und summarische Ausführung des Mittel- und Hintergrundes, die zur kleinteiligen Zeichnung der Felsformation im Vordergrund im spannungsreichen Kontrast steht, erschwert jegliche topographische Bestimmung. Beruht die "Felslandschaft", wie auch Christopher S. Wood betont, vielleicht doch auf einer " workshop formula" von Dürers Nürnberger Lehrmeister #Michael Wolgemut und stellt gar keine reale Situation dar?  Die Verbindung zu einer um 1490 entstandenen Federzeichnung "Felslandschaft mit Wanderer" aus der Werkstatt Wolgemuts ist evident.  Diese Beobachtungen unterstützen die frühen  Datierungen "1490" oder "1490-1492", die von Stilvergleichen mit gesicherten Zeichnungen aus der Zeit der Wanderschaft 1490-1494 herrühren.
 
Die suggestive Wirkung, die die  "Felslandschaft" ausübt, resultiert aus Reihe von Unsicherheiten und Brüchen in der Ausführung, die in den frühesten Werken Dürers mehrfach festzustellen sind. Die penible und gleichzeitig harte, den Materialcharakter des Felsens bereits erforschende Zeichenweise, die im Hintergrund märchenhaft auftauchende Turmanlage vor sparsamen Horizontlinien und der puppenhaft kleine Wanderer im Vordergrund - Dürer hat sich vielleicht selbst damit gemeint  - verleihen der Darstellung einen romantischen Charakter.

Die Studie steht am Anfang einer Reihe von Zeichnungen und Aquarellen, die Dürer dem Studium von Gesteinsformationen gewidmet hat. So bildhaft sie oft angelegt sind, dienten sie doch als Studienmaterial für Bildhintergründe, weniger in seinen Gemälden als in seinen druckgrafischen  Arbeiten (Inv. DG1930/1512).

Albrecht Dürer, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. L. Sternath, Albertina, Wien 2003, Abb. 12, S. 142.

Catalogue raisonné
  • Tietze/Tietze-Conrat 1933, 40
  • Winkler 57
  • Strauss 1493/21
  • Bibliography
  • Thausing 1884, Bd. 1, S. 118
  • AK Albertina 1971, Nr. 8
  • AK Nürnberg 1971, Nr. 557
  • AK Berlin 1983, Nr. D 49
  • AK Paris 1991, Nr. 5
  • AK Tokio 1991, Nr. 5
  • Wood 1993, S. 105-107, Abb. 68
  • AK Sydney 2002, Nr. 16
  • AK Albertina 2003, Nr. 12 (M. L. Sternath)
  • AK Madrid 2005, S. 106-107, Nr. 11 (M. L. Sternath)
  • AK Nürnberg 2012, S. 384 (Daniel Hess: Beziehung zum Werk Wolgemuts), 391, Nr. 89
  • AK Washington 2013, S. 52-53, Nr. 4 (M. L. Sternath)
  • AK Albrecht Dürer, Albertina, Wien 2019, S. 448, Kat. 31
  • Provenance
  • wohl Kaiser Rudolf II.
  • Kaiserliche Schatzkammer
  • seit 1783 Kaiserliche Hofbibliothek
  • 1796 an Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Nicht identisch, wie oft angenommen, mit einem Blatt aus der Sammlung Charles Antoine Prince de Ligne (1759–1792), Brüssel (Auktion bei Aloys Blumauer, Wien, ab 4. November 1794, S. 137, Dürer Nr. 2
  • Lugt Rep. 5245)
  • siehe Inv. 3199 (Hinweis Christof Metzger)
  • Online resources
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    Last edited12.02.2026