Albrecht Dürer, Die Heilige Sippe, Inv. Nr.: 3129
Die Heilige Sippe
Albrecht Dürer, Die Heilige Sippe, Inv. Nr.: 3129
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Die Heilige Sippe

Albrecht Dürer

1511




Mit der Darstellung der Heiligen Sippe bereitete Dürer einen Holzschnitt vor, der die Familie Jesu zum Thema hat. Vor einem Baum sitzt Maria und reicht das Kind ihrer Mutter Anna. Begleitet wird die Gruppe von mehreren männlichen Figuren, darunter Joseph und die drei Ehemänner der Anna. Trotz des skizzenhaften Charakters der Zeichnung wird darin Dürers Meisterschaft als Zeichner und Entwerfer deutlich. Mit äußerst sicherem Strich und in wenigen Zügen schuf er eine räumlich überzeugende mehrfigurige Komposition. Im finalen Holzschnitt allerdings gelingt es ihm, diese durch die Konzentration auf weniger Figuren und die engere Verzahnung der Gruppe noch harmonischer erscheinen zu lassen.



This depiction devoted to the Holy Family was made in preparation for a woodcut. Seated before a tree, Mary hands the Christ Child to her mother Anne. The group is accompanied by several male figures, including Joseph and Anne’s three husbands. Despite the drawing’s sketch-like quality, Dürer’s mastery over composition and technique is evident here. He has created a spatially convincing, multifigured design with only a few secure strokes of the pen. The artist then succeeded in making the final woodcut appear even more harmonious through his concentration on fewer figures and their closer concatenation.



Künstler:in (Nürnberg 1471 - 1528 Nürnberg)
Date1511
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Braun
Dimensions29,9 x 21,9 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number3129
SignedM.u. "1511" und Dürer-Monogramm "AD"
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
WatermarkFuggermarke
Text

Die Zeichnung, die Dürer auf dem Höhepunkt seines grafischen Könnens und seiner kompositorischen Erfindungskraft zeigt, ist ein gegensinniger Entwurf zu dem ebenfalls 1511 entstandenen Holzschnitt "Die Heilige Familie mit Joachim und Anna unter dem Baum" (Bartsch 7, 96). In sicherer, doch sparsamer Strichführung, belebt von großflächigen Licht- und Schattenzonen, wird die Heilige Sippe als bürgerliches Großfamilienidyll vorgestellt. Das Zentrum der Gruppe bilden Anna, Maria und das Kind. Joseph und rechts die in der Trinubiumslegende überlieferten drei Gatten der Anna, sowie eine weitere bislang nicht gedeutete Person, umgeben die beiden gleich großen Frauen, die sich ganz dem Kind widmen, das gerade, gemäß einem beliebten spätmittelalterlichen Thema, seinen "ersten Schritt" wagt.  Ein schlanker Baumstamm, der Bedeutung und Kraft des kleinen Jesusknaben symbolisieren soll, akzentuiert die Gruppe und betont das Christuskind.
Die Zeichnung deutet bereits skizzenhaft die Hauptzüge und einige Details an, wie die Nelke in der Hand des Joachim oder den Rosenkranz um das Haupt der Maria, die der Holzschnitt dann in größter Präzision vorstellt. Dennoch liegt eine nicht zu unterschätzende Entwicklung zwischen Entwurf und endgültiger Ausführung: Wie schon bei den Wiener Vorstudien zum "Marienleben" (Inv. 3078r, Inv. 3079) ist der Betrachterstandpunkt verändert, um das heilige Geschehen näher zu rücken. Zugunsten von Prägnanz und Lesbarkeit, beschränkt sich der Holzschnitt auf vier Hauptpersonen. Die Protagonisten sind als Gruppe fester verzahnt, ihr Zusammenspiel ist konzentrierter. Der nun doppelstämmige Baum, der sie überhöht, schließt Anna mit der Heiligen Familie zusammen und betont die verschränkte Diagonalstruktur der Personen um das Kind als Angelpunkt : Nicht nur die Gegenüber  - Maria und Anna, sowie Joseph und Joachim - sind aufeinander bezogen, sondern im Nebeneinander auch die zusammengehörigen Ehepaare. Zu Recht wurde diese "Kunst der Gruppenbildung"  und die gelungene Harmonie der Proportion als ausgesprochene kompositorische Leistung gewürdigt. Dabei behält Dürer die Grundstimmung der Zeichnung bei, die sich atmosphärisch am gelebten Alltag und den Gefühlen der spätmittelalterlichen bürgerlichen Familie orientiert, schließlich hatten die Heilige Familie und insbesondere auch die liebevoll ihre Großmutterrolle wahrnehmende Anna Vorbildcharakter.

Albrecht Dürer, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. L. Sternath, Albertina, Wien 2003, Abb. 130, S. 394.

Catalogue raisonné
  • Tietze/Tietze-Conrat 1933, 101
  • Winkler 519
  • Strauss 1511/3
  • Bibliography
  • AK Albertina 1971, Nr. 80
  • AK Albertina 1986, Nr. 37
  • AK Pittsburgh u.a. 2002, Nr. 3
  • Schoch u. a. 2002, S. 351 f.
  • AK Albertina 2003, Nr. 130 (A. Scherbaum)
  • AK Washington 2013, S. 202, Nr. 74 (A. Scherbaum)
  • Provenance
  • wohl Kaiser Rudolf II.
  • Kaiserliche Schatzkammer
  • seit 1783 Kaiserliche Hofbibliothek
  • 1796 an Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
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    Last edited17.02.2026