Tiger
Anton Romako
1870
Das Aquarell verliert in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung. Einer der wenigen Künstler, für die die Wasserfarbenmalerei dennoch weiterhin wichtiges künstlerisches Ausdruckmittel bleibt, ist Anton Romako. Nachdem er die Wiener Akademie als Historienmaler verlassen hat, setzt er sein Studium an einer Schule für Aquarellmalerei in Venedig fort und beweist bald eine ungemeine Brillanz und Routiniertheit in der Anwendung der Technik.
Früh schon zeigt sich in Romakos Werk eine Neigung zum Narrativen und zu einem szenischen, fast bühnenhaften Bildaufbau. Seine Genrebilder mit der Darstellung eines idealisierten ländlichen Lebens finden in Rom – fast 20 Jahre lang sein Lebensmittelpunkt – bei Touristen großen Anklang. Nach seiner Rückkehr nach Wien versucht er allerdings vergeblich, sich auf dem Kunstmarkt durchzusetzen. Er gibt zwar das Genre als Motiv fast gänzlich auf und setzt die Technik des Aquarells nur noch vereinzelt ein, seine exzentrischen und absichtlich originellen Bildfindungen, sein Streben nach neuen malerischen Lösungen und sein Bruch mit den anerkannten Darstellungskonventionen stehen jedoch in krassem Gegensatz zu der damals vom Publikum hochgeschätzten monumentalen Salonmalerei Hans Makarts. Romakos oft bis heute in Darstellung und Farbbehandlung irritierende Werke werden von den Zeitgenossen als „Absonderlichkeiten“ bezeichnet.
