Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg (1468-1540), Inv. Nr.: 3149
Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg (1468-1540)
Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg (1468-1540), Inv. Nr.: 3149
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg (1468-1540)

Albrecht Dürer

um 1518




Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg (1468/69–1540) stammte aus einer verarmten Augsburger Patrizierfamilie, gewann als Sekretär und Ratgeber Maximilians aber großen politischen Einfluss. Seine Dienste belohnte ihm das Kaiserhaus mit einer glänzenden kirchlichen Karriere, die 1514 mit der Kardinalserhebung und 1519 mit dem erzbischöflichen Stuhl zu Salzburg ihren Höhepunkt erreichte. Albrecht Dürer hatte mehrfach Gelegenheit, Lang von Wellenburg zu begegnen: etwa beim Augsburger Reichstag des Jahres 1518, oder als Ende 1521 das Reichsregiment in Nürnberg tagte und der Kardinal auf dem Zenit seiner Macht stand. Wahrscheinlich sollte das Blatt als Vorlage zu einem druckgrafischen Porträt dienen, das aber schließlich nicht zur Ausführung gelangte.


Kopie nach (Nürnberg 1471 - 1528 Nürnberg)
Dateum 1518
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Braun auf sehr dünnem, geöltem Papier mit feiner Büttenstruktur; links oben und rechts unten fehlt die Ecke; stark gebräunt; am oberen und linken Rand Fehlstellen
Dimensions38,4 x 27,2 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number3149
SignedM.r. Dürer-Monogramm "AD"
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
WatermarkKein Wasserzeichen feststellbar. Laut Strauss "High Crown".
Text

Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg (1468/69–1540) stammte aus einer verarmten Augsburger Patrizierfamilie, gewann als Sekretär und Ratgeber Maximilians I. aber großen politischen Einfluss und spielte auch bei der Wahl Karls V. als Kommissar der Habsburger eine wichtige Rolle. Seine Dienste belohnte ihm das Kaiserhaus mit einer glänzenden kirchlichen Karriere, die 1514 mit der Kardinalserhebung und 1519 mit dem erzbischöflichen Stuhl zu Salzburg ihren Höhepunkt erreichte. Die Identifizierung des Dargestellten mit dem Kardinal lässt sich anhand von Porträtmedaillen, einer Radierung Hieronymus Hopfers und Kon­terfeis in anderen Medien verifizieren. Mit seinem Kaiser teilte Lang das Interesse an humanistischem Geistesgut und dessen künstlerischer Umsetzung. Nicht wenige Werke aus Literatur und Wissenschaft waren ihm gewidmet (Inv. DG1935/1019, Inv. DG1934/74r), und er selbst wurde zum Mäzen und För­derer der Künste.

Albrecht Dürer hatte mehrfach Gelegenheit, ihm zu begegnen: etwa beim Augsburger Reichstag des Jahres 1518, oder als Ende 1521 das Reichsregiment in Nürnberg tagte. Lang von Wellenburg war da­mals auf dem Zenit seiner Macht und ließ sich von Dürer einen jedem weltlichen Potentaten würdigen Thronsessel entwerfen (W. 920). Seine Bildniszeichnung liegt in zwei Versionen vor: Im Basler Kupferstich­kabinett existiert eine maßgleiche, unten aber verkürzte, schwarzgrun­dige Fassung, von der Dürer selbst mittels eines ölgetränkten, transpa­renten Papiers die Wiener Pause nahm. Das Blatt in Basel ist in Kreide oder Kohle ausgeführt und daher auch malerischer ausmodelliert als die lineare, mit der Feder gezeichnete Replik; bei Letzterer wirkt der Blick lauernder, die Nase wurde ein wenig verkürzt und gerundet. Hinsicht­lich der Datierung neigt die neuere Forschung zu den Jahren vor der niederländischen Reise von 1520/21 und vermutet eine Entstehung im Augsburg des Jahres 1518, als Dürer in ganz ähnlicher Manier auch Kar­dinal Albrecht von Brandenburg porträtierte (W. 568). Jenes Blatt diente 1519 als Vorlage zu dem berühmten Kupferstich, der als »Kleiner Kardi­nal« berühmt wurde. Im Vorfeld eines entsprechenden druckgrafischen Projekts dürfte die Wiener Pause entstanden sein, doch ist fraglich, ob die Umsetzung letztlich in Holzschnitt oder Kupferstich erfolgen sollte und warum die künstlerische Huldigung an den bedeutenden Zeitge­nossen schließlich scheiterte.

Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 42, S. 203.

Catalogue raisonné
  • Tietze/Tietze-Conrat 1933, 135
  • Winkler 911
  • Strauss 1518/25
  • Bibliography
  • AK Albertina 1971, S. 364 – 365, Nr. 116
  • AK Basel/Berlin 1997, S. 158, unter Nr. 10.29 (Christian Müller)
  • Smith 2006, S. 477-484, bes. S. 479
  • AK Albertina 2012, Nr. 42 (C. Metzger)
  • Christian Müller, Albrecht Dürer und sein Kreis, Basel 2014, S. 8-9, 17, Nr. 7 (zur Basler Erstfassung)
  • Provenance
  • wohl Kaiser Rudolf II.
  • Kaiserliche Schatzkammer
  • seit 1783 Kaiserliche Hofbibliothek
  • 1796 an Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/40469/kardinal-matthaus-lang-von-wellenburg-14681540Image Request
    Last edited24.01.2025