Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg (1468-1540)
Albrecht Dürer
um 1518
Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg (1468/69–1540) stammte aus einer verarmten Augsburger Patrizierfamilie, gewann als Sekretär und Ratgeber Maximilians I. aber großen politischen Einfluss und spielte auch bei der Wahl Karls V. als Kommissar der Habsburger eine wichtige Rolle. Seine Dienste belohnte ihm das Kaiserhaus mit einer glänzenden kirchlichen Karriere, die 1514 mit der Kardinalserhebung und 1519 mit dem erzbischöflichen Stuhl zu Salzburg ihren Höhepunkt erreichte. Die Identifizierung des Dargestellten mit dem Kardinal lässt sich anhand von Porträtmedaillen, einer Radierung Hieronymus Hopfers und Konterfeis in anderen Medien verifizieren. Mit seinem Kaiser teilte Lang das Interesse an humanistischem Geistesgut und dessen künstlerischer Umsetzung. Nicht wenige Werke aus Literatur und Wissenschaft waren ihm gewidmet (Inv. DG1935/1019, Inv. DG1934/74r), und er selbst wurde zum Mäzen und Förderer der Künste.
Albrecht Dürer hatte mehrfach Gelegenheit, ihm zu begegnen: etwa beim Augsburger Reichstag des Jahres 1518, oder als Ende 1521 das Reichsregiment in Nürnberg tagte. Lang von Wellenburg war damals auf dem Zenit seiner Macht und ließ sich von Dürer einen jedem weltlichen Potentaten würdigen Thronsessel entwerfen (W. 920). Seine Bildniszeichnung liegt in zwei Versionen vor: Im Basler Kupferstichkabinett existiert eine maßgleiche, unten aber verkürzte, schwarzgrundige Fassung, von der Dürer selbst mittels eines ölgetränkten, transparenten Papiers die Wiener Pause nahm. Das Blatt in Basel ist in Kreide oder Kohle ausgeführt und daher auch malerischer ausmodelliert als die lineare, mit der Feder gezeichnete Replik; bei Letzterer wirkt der Blick lauernder, die Nase wurde ein wenig verkürzt und gerundet. Hinsichtlich der Datierung neigt die neuere Forschung zu den Jahren vor der niederländischen Reise von 1520/21 und vermutet eine Entstehung im Augsburg des Jahres 1518, als Dürer in ganz ähnlicher Manier auch Kardinal Albrecht von Brandenburg porträtierte (W. 568). Jenes Blatt diente 1519 als Vorlage zu dem berühmten Kupferstich, der als »Kleiner Kardinal« berühmt wurde. Im Vorfeld eines entsprechenden druckgrafischen Projekts dürfte die Wiener Pause entstanden sein, doch ist fraglich, ob die Umsetzung letztlich in Holzschnitt oder Kupferstich erfolgen sollte und warum die künstlerische Huldigung an den bedeutenden Zeitgenossen schließlich scheiterte.
Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 42, S. 203.
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