Jede Nacht besucht uns ein Traum
Alfred Kubin
um 1902/03
Das zwischen 1899 und 1904 in München entstandene Frühwerk Alfred Kubins bildet den frühen Höhepunkt seines fast sechzigjährigen künstlerischen Schaffens: Es sind albtraumhafte Visionen, die traumatische Kindheitserinnerungen, Ängste, Träume, Irrationales und Abseitiges reflektieren. Häufig spielen Tiere oder fantastische Mischwesen die Hauptrolle, mittels derer Kubin das Wirken primitiver Gewalt, animalische Sexualität oder Götzenkulte in einprägsame Metaphern fasst. Angeregt durch die fantastische Literatur von Edgar Allan Poe bis E. T. A. Hoffmann, zählt Kubin insbesondere Hieronymus Bosch, Pieter Bruegel und Francisco de Goya sowie die Künstler des Symbolismus zu seinen künstlerischen Vorbildern. Die wahnhafte, zwischen Realität und Fiktion changierende Motivik von Kubins Kompositionen steht in einem spannungsvollen Verhältnis zu ihrer technischen Virtuosität und jugendstilhaften Schönlinigkeit. Treffend bezeichnet Lyonel Feininger die Tuschfederzeichnungen Kubins einmal als „Federgemälde“.
Blatt: 39,3 × 31,9 cm
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