Grüne Kaskade
Gunter Damisch
1991
Rahmenaußenmaß: 254 × 165 cm
Gunter Damisch studierte von 1978 bis 1983 an der Akademie der bildenden Künste Wien und zählt zur zweiten Generation der „Neuen Wilden“. Im Unterschied zu Schmalix, Mosbacher und Anzinger ist das klassische Menschenbild in seiner Malerei nicht sehr präsent, ebenso spielt die realitätsgetreue Abbildung in seiner Kunst eine zweitrangige Rolle. Er fokussiert auf das Figurative, das Abstrakte, das Formlose und befreit die Malerei so von konzeptionellen Strängen.
Im Werk Grüne Kaskade von 1991 wirbelt ein unentwirrbares Farbengeflecht, vergleichbar mit einem Tornado, durch den pastosen grünen Hintergrund. Das helle, sich drehende Farbflimmern aus unzähligen Farbpartikeln bildet den dynamischen Vordergrund. Die Aufmerksamkeit des Künstlers gilt augenscheinlich der Autonomie der Farbe, mit ihren direkt sichtbaren Anhäufungen, Verkrustungen und Hell-Dunkel-Kontrasten. Damisch bringt die Farbe sehr dicht und dick, mit Pinsel und Spachtel, in mehreren Schichten auf die Leinwand. Im Werk Grüne Kaskade ist diese Farbschichtung in der monochromen Fläche im Hintergrund gut ersichtlich, wobei verschiedene Farbschichten hervorblitzen. Die Farbe Grün tritt nur in wenigen Werken Damischs auf. Für ihn hat diese Mischfarbe eine ganz eigene und besondere Energie.
Damisch arbeitet mit einem Repertoire von Motiven und Themen, die in seinen farbkräftigen Bildern immer wieder vorkommen. Ein solches Bildmotiv ist das längliche rote Wesen im Vordergrund des extremen Hochformats Gelbe Kaskade, ein sogenannter Steher. Ein Konglomerat aus vielen Farbschichten bildet als dynamisch gemalte kosmische Welt den Kontrapunkt zu dieser Gestalt.
Die Titel Grüne Kaskade und Gelbe Kaskade verweisen auf das italienische Wort „cascare“, was „fallen“ bedeutet. Die vielen kleinen Farbpigmente auf der Leinwand stürzen in beiden Bildern wie einzelne Tropfen die Leinwand hinunter und gehen in einer kreisförmigen Bewegung auf. In Damischs kosmischen Bildwelten treten häufig organische, in Bögen verlaufende Bewegungen auf. Damisch malt stets impulsiv, wodurch die Farbe einen autonomen Charakter gewinnt und so selbst Gegenstand des Bildes wird. Durch die Formen, die durch die Farbe wachsen, wird diese auch zum Narrativ.
The Essl Collection, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Elisabeth Dutz, Wien 2021, S. 60.
Gunter Damisch studied at the Academy of Fine Arts Vienna from 1978 to 1983 and belongs to the second generation of the “Neue Wilde” (The New Wild Ones) group of artists. In contrast to Hubert Schmalix, Alois Mosbacher, and Siegfried Anzinger, the classical human figure is hardly present in his painting; indeed, realistic depiction plays a secondary role in his art. He focuses on the figurative, the abstract, and the formless, thus liberating painting from conceptual strands.
In the work Green Cascade from 1991, an inextricable web of colors, comparable to a tornado, swirls through the pasty green background. The bright, spinning chromatic flicker of countless particles forms the dynamic foreground. The artist’s attention is focused on the autonomy of color with its directly visible accumulations, incrustations, and light-dark contrasts. Damisch applies the paint very densely and thickly with a brush and spatula in several layers onto the canvas. In the work Green Cascade, this layering of paint is clearly visible in the monochrome area in the background, with different layers of color flashing out. Green appears in only a few of Damisch’s works. For him, this mixed color has a very special and unique energy.
Damisch works with a repertoire of motifs and themes that appear repeatedly in his colorful paintings. One such motif is the elongated red creature in the foreground of the extreme high-format Yellow Cascade, a so-called “Steher” (German for standing figure, dependable person). A conglomerate of numerous layers of color forms the counterpoint to this figure as a dynamically painted cosmic world.
The titles Green Cascade and Yellow Cascade are a reference to the Italian word cascare, which means “to fall.” In both paintings, the many small color pigments on the pictorial surface plunge down the canvas like single drops and merge into a circular movement. Damisch’s cosmic pictorial worlds often show organic movements running in arcs. As Damisch always paints impulsively, color gains an autonomous character and thus becomes the subject of the painting itself. Color also becomes the narrative through the forms brought forth by it.
The Essl Collection, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Elisabeth Dutz, Vienna 2021, S. 60.
