Der Hypnotist
Reimo Wukounig
1971
1970/71 malt Reimo Wukounig eine Serie von Krankenhausbildern mit Patienten − vor Kacheln, an medizinischen Geräten, im beziehungslosen Gespräch mit Ärzten, als Opfer oder Versuchsobjekte mit Sonden und unter elektrischen Duschen. Unpersönliche, kühle, sich scheinbar verselbstständigende Krankenhausmöbel, oder − wie im Fall von Hypnotist − ein Operationstisch mit zugehöriger Hängevorrichtung lassen die Leidenden, wie hier von einem Tuch bedeckt, bereits wie Tote wirken. Der Verweis auf die Hypnose erinnert an grausame Ärzte, die das »Euthanasie«-Programm der Nationalsozialisten verwirklichen wie Heinrich Gross, der behinderte Kinder für »Forschungsprojekte« missbraucht und an ihrer Ermordung beteiligt ist. All die drangsalierten, bestrahlten und verletzten Patienten, die den Künstler neben bedrohlichen Landschaften und Stillleben lange beschäftigen, gehen auf das Trauma der von ihren Verwandten betriebenen Einweisung seiner Mutter in eine Nervenheilanstalt zurück, in der diese ums Leben kommt. Der Künstler muss seine Kindheit und Schulzeit von 1950 bis 1958 in Erziehungsheimen verbringen, in denen Missbrauch und Gewalt an den Zöglingen herrscht.
