Franz West, Ohne Titel, Inv. Nr.: EDLSB4058
Ohne Titel
Franz West, Ohne Titel, Inv. Nr.: EDLSB4058
Credit: ALBERTINA, Wien – The ESSL Collection Image: Photoatelier Laut, Wien Copyright: © Archiv Franz West © Estate Franz West

Ohne Titel

Franz West

1983




Künstler:in (Wien 1947 - 2012 Wien)
Date1983
Object TypeSkulptur
Object typeSculpture
Materials / TechniquesPassstück weiß aus Holz, Gaze, Gips, Dispersion
Dimensions51 × 36 × 35 cm
CreditALBERTINA, Wien – The ESSL Collection
Object numberEDLSB4058
Text

Franz West ist einer der renommiertesten Künstler Österreichs, dessen Werk von Zeichnung und Malerei über Collage und Relief bis zu Skulpturen, Möbelstücken und Environments reicht.

Seit den 1980er-Jahren stellt der Künstler „legitime Skulpturen“ (Franz West) her, die – anders als seine „Passstücke“ – nicht ausschließlich durch die Verwendung eines Museumsbesuchers zum Kunstwerk werden. Dabei handelt es sich jedoch nicht um „autonome Skulpturen“, die für sich selbst stehen: Die Arbeiten sollen ebenfalls ein Angebot an den Betrachter sein, in einen Dialog einzutreten ‒ auf einer gedanklichen Ebene. Seit den 1990er-Jahren stellt West auch Skulpturen für den Außenraum her, für die er das Material Aluminium wählt, da das von ihm so geschätzte Papiermaschee für diese Zwecke nicht taugt. Er wählt bewusst nicht die für Außenskulpturen gängigen naturfarbigen Erdtöne, sondern greift zu Schockfarben (Gelb, Rot, Violett, Grün). Zu seinem eigenen Erstaunen werden die Skulpturen dadurch zu „wunderschönen Blüten“ in der freien Natur.[1] Die 2004 entstandene Sitzskulptur ist eine dieser Skulpturen, sie stellt ein ins Riesenhafte vergrößertes menschliches Exkrement dar, das in einem grellen Rot ausgeführt ist.

Die „Passstücke“ sind originäre Schöpfungen Franz Wests, die dessen Auseinandersetzung mit dem Wiener Aktionismus entspringen. Gedanken dazu formuliert West in ersten Texten 1974, in denen noch von „Kunstwerken“ die Rede ist. Die Bezeichnung „Passstück“ stammt von Reinhard Priessnitz. Man versteht darunter eine freie Form aus Gips, Papiermaschee, Metall und anderen Materialien, die man auf unterschiedlichste Weise benutzen und an den Körper anlegen kann: gleichsam Verlängerungen und Ausstülpungen von Gliedmaßen, die Neurosen veranschaulichen oder als Prothesen dienen.

Neben den „Passstücken“ sind auch die „Namensbilder“ eine Erfindung Wests, mit denen Freunde und Bekannte des Künstlers porträtiert werden. Typisch dafür ist, dass nicht, wie seit Jahrtausenden in der Kunstgeschichte üblich, die Gesichtszüge des Modells mehr oder weniger naturgetreu erfasst werden, sondern ein besonderes Charakteristikum der porträtierten Person im Vordergrund steht: ein bestimmtes auffallendes Körpermerkmal, eine besondere Leidenschaft, der Beruf. Zu dieser Werkgruppe der „Namensbilder“ gehört Ronald aus den späten 1970er-Jahren, das Porträt von Ronald Fleischmann, Gitarrist und Freund Franz Wests, in Form einer Gitarre aus Papiermaschee mit dem reliefartigen Schriftzug „Ronald“. Gitarre und Schriftzug sind weiß übermalt und in einen Rahmen eingepasst.

The Essl Collection, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Elisabeth Dutz, Wien 2021, S. 248. 



[1]     Eva Badura-Triska, „Wuste, Qulze oder Qwertze“, in: Franz West. Die Aluskulptur, Ausst.-Kat. Galerie Elisabeth und Klaus Thoman ‒ Schlosspark Ambras 2000, Wien 2000, S. 7‒24.

Franz West is one of Austria’s most renowned artists, whose work ranges from drawings, paintings, and collages to reliefs, sculptures, furniture, and environments.

Since the 1980s, the artist had produced “legitimate sculptures” (Franz West) which—unlike his Passstücke (Adaptives)—do not rely solely on a museum visitor to become works of art. These works are, however, not “autonomous sculptures” that stand for themselves: They are likewise meant to be an offer to the viewer to enter into a dialogue—on a mental level. Since the 1990s, West also made sculptures for outdoor spaces, for which he chose the material aluminum since the papier-mâché he so cherished was not suitable for these purposes. He decided not to use the natural earth tones common for outdoor sculptures but resorted to loud colors (yellow, red, purple, green). This turned the sculptures into “beautiful blossoms” in the open air to his own astonishment.[1] The Seating Sculpture created in 2004 is one of these works; it represents human excrement enlarged to a gigantic scale and executed in a garish red.

The Passstücke are original creations by Franz West, which can be traced back to his involvement with Viennese Actionism. West formulated his thoughts on these in his first texts in 1974, which still spoke of “works of art.” The term Passstück” was coined by Reinhard Priessnitz. It describes a free form made of plaster, papier-mâché, metal, and other materials that can be used in a variety of ways and “worn” on the body: extensions and protrusions of limbs, as it were, that visualize neuroses or serve as prostheses.

In addition to the Passstücke, the Name Pictures are also an invention of West’s, with which friends and acquaintances of the artist are portrayed. Typically, the facial features of the model are not captured quasi true to life, as has been customary in art history for thousands of years, but a particular characteristic of the person portrayed is placed in the foreground: a certain striking physical feature, a special passion, a profession. Ronald from the late 1970s, the portrait of Ronald Fleischmann, a guitarist and friend of Franz West, in the form of a guitar made of papier-mâché with the lettering “Ronald” in relief, belongs to this group of Name Pictures. The guitar and lettering are painted over in white and fitted into a frame.

The Essl Collection, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Elisabeth Dutz, Vienna 2021, S. 248. 



[1]     See: Eva Badura-Triska, “Wuste, Qulze oder Qwertze,” in: Franz West. Die Aluskulptur, exh. cat. Galerie Elisabeth und Klaus Thoman ‒ Schlosspark Ambras, Innsbruck (Vienna 2000), pp. 7‒24.

Provenance
  • Sammlung Essl

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    Last edited28.04.2025