Nam June Paik, Duet Memory, Inv. Nr.: EDLSB4063
Duet Memory
Nam June Paik, Duet Memory, Inv. Nr.: EDLSB4063
Credit: ALBERTINA, Wien – The ESSL Collection Image: ALBERTINA, Wien Copyright: © Nam June Paik Estate

Duet Memory

Nam June Paik

1995




In den 1960er-Jahren beginnt der Video- und Medienkünstler Nam June Paik mit Objekten zu arbeiten, die er aus Fernsehapparaten zusammensetzt und damit das Gerät, das sonst nur zu Empfang und Wiedergabe audiovisueller Signale dient, zum Ausstellungsobjekt erhebt. Mit seinen multimedialen Installationen thematisiert Paik einerseits den Einzug der Technologie in den privaten Bereich, den Haushalt. Andererseits geht es ihm darum aufzuzeigen, wie sehr unsere Wahrnehmung von den Medien beeinflusst ist. Duet Memory zeigt den Künstler selbst als robotorähnliche Figur, die aus Bruchstücken seiner verschiedenen Werke besteht. Die Monitore geben Bilder wieder, die aus Paiks Fluxus-Aktionen und Performances stammen: ein stummes Duett zwischen dem Künstler und seinem Werk.



Künstler:in (Seoul 1932 - 2006 Miami, Florida)
Date1995
Object TypeInstallation
Object typeInstallations
Materials / TechniquesVideoinstallation (1 Klavier, 1 Laser-Disk-Player, 22 Fernseher in unterschiedlicher Größe, Radio- und Fernsehschränke, Holzbank, Hosenträger, Armbanduhr)
Dimensions180 × 265 × 200 cm
CreditALBERTINA, Wien – The ESSL Collection
Object numberEDLSB4063
Text

In the 1960s, the video and media artist Nam June Paik began to create objects assembled from television sets, thus elevating this household appliance, which otherwise only serves to receive and play back audiovisual signals, to an exhibition object. Over the years, these sculptures took on ever greater dimensions and became comprehensive multimedia installations. On the one hand, these installations addressed the entry of technology into the private sphere, the household. On the other hand, Paik was concerned with demonstrating to what extent our perception is influenced by the media.

Duet Memory consists of two parts: a grand piano on which several rows of tube monitors are stacked on top of each other, and a bulky, robot-like figure that also consists of televisions, as well as old radio casings into which small screens have been inserted. The robot sits on a wooden bench and appears to be playing the piano. The “monitor man” is equipped with red suspenders, a wristwatch, and a scarf with a piano keyboard as a motif. The monitors display images, each of them individual short video sequences that seem to have been randomly pieced together, like brief fragments of memories or sensory impressions. They originate from Nam June Paik’s Fluxus actions and performances. We see, for example, a nude cellist (Charlotte Moorman, with whom he collaborated on several occasions) and a burning piano, interspersed with the television test image still in use in the 1990s, which, like the scarf, picks up on the black and white of the piano keyboard. In its abundance and with its rapid cuts, the visual material is barely comprehensible and becomes a mere flood of images, a sensory overload that challenges the viewer.

Whereas Paik’s earlier robots of a similar nature depict either anonymous individuals or well-known personalities, what we see here is a self-portrait of the artist himself, comprised of fragments from various earlier works. In a sense, he also presents himself as their creator, in the role of composer and (experimental) musician in which he began his career. Sound, however, is not transmitted in this installation. It is a silent duet that we witness here. A duet between the artist and his work, between the artist and his stored memories, between the artist and us—or perhaps a duet between us and the technology that surrounds us.


The Essl Collection, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Elisabeth Dutz, Wien 2021, S. 166.

In den 1960er-Jahren beginnt der Video- und Medienkünstler Nam June Paik mit Objekten zu arbeiten, die er aus Fernsehapparaten zusammensetzt und damit das Gerät, das sonst nur zu Empfang und Wiedergabe audiovisueller Signale dient, zum Ausstellungsobjekt erhebt. Im Lauf der Jahre nehmen diese Skulpturen immer größere Dimensionen an und werden zu umfassenden multimedialen Installationen. Mit diesen thematisiert Paik einerseits den Einzug der Technologie in den privaten Bereich, den Haushalt. Andererseits geht es ihm darum aufzuzeigen, wie sehr unsere Wahrnehmung von den Medien beeinflusst ist.

Duet Memory besteht aus zwei Teilen: einem Flügel, auf dem mehrreihig Röhrenmonitore übereinandergestapelt sind, sowie einer klobigen roboterähnlichen Figur, die ebenfalls aus Fernsehern sowie aus alten Radiogehäusen besteht, in die kleine Bildschirme eingelassen wurden. Diese sitzt auf einer Holzbank und scheint auf dem Klavier zu spielen. Ausgestattet ist der Monitormann mit roten Hosenträgern, einer Armbanduhr sowie einem Schal, der eine Klaviertastatur zum Motiv hat. Die Monitore geben Bilder wieder, jeweils einzelne kurze Videosequenzen, die wie wahllos aneinandergefügt wirken, wie knappe Erinnerungsfetzen oder Sinneseindrücke. Sie stammen aus Nam June Paiks Fluxus-Aktionen und Performances. Zu sehen ist etwa eine nackte Cellistin, ein brennendes Klavier, dazwischen wird immer wieder das in den 1990er-Jahren noch gebräuchliche Fernseh-Testbild eingeblendet, das, wie schon der Schal, das Schwarz-Weiß der Klaviatur aufgreift. In seiner Fülle und mit seinen schnellen Schnitten ist das Bildmaterial kaum erfassbar und wird zu einer bloßen Bilderflut, zu einer den Betrachter fordernden Reizüberflutung.

Während Paik mit früheren Robotern ähnlicher Art entweder undefinierte oder bekannte andere Personen darstellt, handelt es sich hierbei um den Künstler selbst, der aus Bruchstücken seiner verschiedenen Werke besteht. Er zeigt sich gewissermaßen auch als deren Erschaffer, in der Rolle des Komponisten und (Experimental-)Musikers, mit der er seine Karriere begonnen hat. Ton wird in dieser Installation jedoch keiner übertragen. Es ist ein stummes Duett, dem wir hier beiwohnen. Ein Duett zwischen Künstler und Werk, zwischen Künstler und seinen gespeicherten Erinnerungen, zwischen dem Künstler und uns oder ein Duett zwischen uns und der Technologie, die uns umgibt. 

The Essl Collection, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Elisabeth Dutz, Wien 2021, S. 166.

Provenance
  • Sammlung Essl

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    Last edited11.04.2024