Rain and Hawaii
David Salle
1985
Obwohl Salles Werke kaum gestische Spuren aufweisen, zählt er gemeinsam mit Julian Schnabel und Eric Fischl zu den wichtigsten US-amerikanischen Malern des Neoexpressionismus. Wildes Malen unter Einsatz des Körpers, zufälliges Dripping und Pouring von Farbe sind für ihn jedoch nur als Zitat relevant. Seine Kunst basiert vielmehr auf der Pop-Art, dadaistischen und surrealistischen Strömungen der Moderne, die das Collagieren und die Kombination von nicht zusammengehörigen Bildelementen verfolgen.
Rahmenaußenmaß: 271 × 196 cm
Wie ein Widerspruch in sich selbst erscheinen die Malereien von David Salle, die sich als eklektizistische Überblendung von Formen, Techniken und Inhalten darstellen. Eine Bild-im-Bild-Ästhetik, Zitate aus High and Low Art, Aneignung und Wortspiele bestimmen seine Werke. Das „Anything goes“ der Postmoderne interessiert den 1952 geborenen Künstler jedoch nicht sonderlich. Einem Nebeneinander von künstlerischen Stilen, ästhetischem Pluralismus, der Auseinandersetzung mit massenmedialen Mitteln und dem Crossover von Gattungen kann er hingegen viel abgewinnen. Salles widersprüchliches Bildrepertoire fügt sich zu einem Stückwerk, das die Vielfalt malerischer Verfahren betont. Beim Betrachten der Arbeiten überzeugt der unmittelbare visuelle Eindruck.
Obwohl Salles Werke kaum gestische Spuren aufweisen, zählt er gemeinsam mit Julian Schnabel und Eric Fischl zu den wichtigsten US-amerikanischen Malern des Neoexpressionismus. Wildes Malen unter Einsatz des Körpers, zufälliges Dripping und Pouring von Farbe sind für ihn jedoch nur als Zitat relevant. Seine Kunst basiert vielmehr auf der Pop-Art, dadaistischen und surrealistischen Strömungen der Moderne, die das Collagieren und die Kombination von nicht zusammengehörigen Bildelementen verfolgen.
Da er seine Querformate häufig in der Bildhälfte teilt, wird Salle auch „Master of Division“ genannt. Bei seinen riesigen Leinwänden, die von der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen handeln, denkt man unweigerlich an ein aufgeschlagenes Magazin oder die Bildabfolge von Filmkadern. Die Farbigkeit und das Designvieler Szenen lassen eine Vorliebe für die 1950er-Jahre erkennen. Zahlreiche Akte thematisieren das Verhältnis von Prüderie und Perversion. Mit Verweisen auf Musik, Tanz, Theater und Performance sowie einem durchaus dreisten Umgang mit der Ikonografie hat David Salle Ansätze wie Minimalismus und Konzeptkunst, die sich der reduktiven Strenge verpflichtet fühlen, weit hinter sich gelassen. Spätestens seit den 1980er-Jahren gilt er als wichtiger Künstler, der die gegenständliche Malerei in den USA rehabilitiert.
The Essl Collection, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Elisabeth Dutz, Wien 2021, S. 212.
Presenting themselves as eclectically layered forms, techniques, and contents, David Salle’s paintings may strike us as a contradiction in terms. His works are defined by a picture-in-picture aesthetic, quotations from high and low art, appropriated elements, and wordplay. The “anything goes” attitude of postmodernism does not, however, particularly interest the artist. Conversely, he does indeed have much to gain from the juxtaposition of artistic styles, aesthetic pluralism, the exploration of mass media tools, and the crossover of genres. Salle’s contradictory repertoire of images blends into piecework that emphasizes the diversity of painterly processes. It is the immediate visual impression that convinces us when viewing the works.
Although Salle’s works reveal hardly any gestural traces, he is—together with Julian Schnabel and Eric Fischl—one of the most important representatives of American neo-expressionist painting. Wild painting using the body and the random dripping and pouring of paint are, however, relevant to him only as quotations. His art is essentially based on Pop Art, as well as Dadaist and Surrealist currents of modernism, which pursue collaging and the combination of unrelated pictorial elements.
As he often divides his horizontal formats in the middle, Salle has also been called a “master of division.” Confronted with his huge canvases, which deal with the simultaneity of the non-simultaneous, one inevitably thinks of an open magazine or the image sequence of film frames. The colorfulness and design of many scenes reveal a preference for the 1950s. Numerous nudes address the relationship between prudery and perversion. With references to music, dance, theater, and performance, as well as a thoroughly brazen treatment of iconography, David Salle has left approaches such as Minimalism and conceptual art, which are committed to reductive austerity, far behind. He has been regarded as an important artist in terms of the rehabilitation of representational painting in the United States since the 1980s at the latest.
The Essl Collection, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Elisabeth Dutz, Wien 2021, S. 212.
