Peter Fischli, David Weiss, Ohne Titel (Blumen 1/36), Inv. Nr.: EDLSB5721
Ohne Titel (Blumen 1/36)
Peter Fischli, David Weiss, Ohne Titel (Blumen 1/36), Inv. Nr.: EDLSB5721
Credit: ALBERTINA, Wien – The ESSL Collection Image: ALBERTINA, Wien Copyright: © Fischli / Weiss

Ohne Titel (Blumen 1/36)

Peter Fischli

1997/1998




Durch das Werk von Peter Fischli und David Weiss zieht sich das Spiel mit dem Banalen und Trivialen. In der Serie Blumen verwandeln die Künstler Blüten, Blättern und Beeren mittels scheinbar amateurhafter Ausschnitte und technischer Fehler, wie Doppelbelichtungen und Überblendungen in einen irrealen psychedelischen Farbenrausch. Die Blume als Sinnbild für Schönheit und Vergänglichkeit ist nicht mehr nur metaphorisch zu verstehen. Vielmehr soll die Verfremdung durch den Kunstgriff der Amateurfotografie den Blick schärfen und unsere Aufmerksamkeit auf nie zuvor beachtete Details der Natur lenken.



Künstler:in (Schweiz, geboren 1952)
Künstler:in (Schweiz, 1946 - 2012)
Date1997/1998
Object TypeFotografie
Object typePhotograph
Materials / TechniquesInk-Jet Print
Dimensions76 x 109 cm
CreditALBERTINA, Wien – The ESSL Collection
Object numberEDLSB5721
SignedVorne rechts unten: David Weiss Fischli
Text

Das Werk von Peter Fischli und David Weiss lässt sich weder stilistisch noch medial leicht zuordnen. Doch wie ein roter Faden zieht sich das verspielte Feiern des Banalen und Trivialen durch ihr Œuvre. Ihre Do-it-yourself-Ethik, welche die Verwurzelung der Künstler in der Zürcher Punkszene der späten 1970er-Jahre verrät, findet in Fotografien, Videos, Büchern, Skulpturen und Installationen ihren Ausdruck. Als scharfe Beobachter, zu großem Staunen imstande und mit einer fast kindlichen Neugier ausgestattet, vermitteln Fischli/Weiss uns eine Welt, wie wir sie noch nie gesehen haben.

Eine Serie von Farbfotografien zeigt verfremdete Stillleben mit wuchernden Blumen, Pflanzen und Pilzen. Das strenge Kompositionsprinzip des traditionellen Blumenstilllebens wird hier durch den Zufall ersetzt. Jedes Bild ist eine Doppelbelichtung und zeigt eine willkürliche Überblendung von Blüten, Blättern und Beeren aus Garten, Wald und Wiese. Die „sichtbare Welt“, wie sie Fischli/Weiss uns in vielen tausend Fotografien von Landschaften und von ihren Reisen vor Augen führen, verwandelt sich zu einer irrealen psychedelischen inneren Welt. Wie in einer Halluzination blühen bei Ohne Titel (Blumen 2/22) prachtvolle Rosen auf reich tragenden Apfelbäumen. Die gesamte Serie bewegt sich zwischen Chaos und Ordnung, Zufall und Manipulation, Kunst und Natur. Die Blume als Sinnbild für Schönheit und Vergänglichkeit ist nicht mehr nur metaphorisch zu verstehen. Vielmehr soll die Verfremdung durch den Kunstgriff der „Amateurfotografie“ den Blick schärfen und unsere Aufmerksamkeit auf nie zuvor beachtete Details der Natur lenken. Das Künstlerduo stellt fest: „Eigentlich gibt es nichts Platteres als Blumenbilder ‒ aber auch nichts Schöneres als einen blühenden Garten.“


The Essl Collection, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Elisabeth Dutz, Wien 2021, S. 74.

Essay

The work of Peter Fischli and David Weiss is not easy to categorize either stylistically or in terms of media. Yet the playful celebration of the banal and trivial runs like a thread throughout their oeuvre. Their do-it-yourself ethic, which clues us in on  the artists’ roots in the Zurich punk scene of the late 1970s, finds expression in their photographs, videos, books, sculptures, and installations. As keen observers capable of great amazement and endowed with an almost childlike curiosity, Fischli/Weiss convey to us a world as we have never seen it before.

A series of color photographs depicts defamiliarized still lifes with sprawling flowers, plants, and mushrooms. The strict compositional principle of the traditional flower still life is replaced here by chance: Each image is a double exposure randomly layering two photographs of flowers, leaves, and berries from gardens, forests, and meadows into one. The “visible world,” as Fischli/Weiss show us in many thousands of photographs of landscapes and from their journeys, is transformed into an unreal psychedelic inner world. As in a hallucination, Untitled (Flowers 2/22) depicts magnificent roses blooming on trees richly bearing apples. The entire series oscillates between chaos and order, chance and manipulation, art and nature. The flower as a symbol of beauty and transience can no longer be understood solely on a metaphorical level. Rather, the distortion through the artistic device of “amateur photography” is intended to enhance visual perception and draw our attention to the details of nature that have never before been noticed. The artist duo states: “Actually, there is nothing triter than pictures of flowers—but also nothing more beautiful than a blooming garden.”

The Essl Collection, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Elisabeth Dutz, Vienna 2021, S. 74.

Provenance
  • Sammlung Essl

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/431955/ohne-titel-blumen-136Image Request
    Last edited26.07.2021