Andrea Meldolla, gen. Schiavone, Muttergottes umgeben von Heiligen, Inv. Nr.: DG2018/1/69
Muttergottes umgeben von Heiligen
Andrea Meldolla, gen. Schiavone, Muttergottes umgeben von Heiligen, Inv. Nr.: DG2018/1/69
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Muttergottes umgeben von Heiligen

Andrea Meldolla, gen. Schiavone

1542-1544




Künstler:in (Zara (Sebenico) um 1500/15 - 1563 Venedig)
Date1542-1544
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesRadierung, Kaltnadel
DimensionsBlatt: 21,6 x 14,6 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG2018/1/69
Im Kontext der Sammlung
Dieses Blatt befindet sich auf Seite It/III/1/51 des Klebebandes Italien nach Sektionen III/1. Der Band ist Teil der historischen Druckgrafiksammlung Herzog Alberts von Sachsen-Teschen und seiner Gemahlin Marie Christine. Die Druckgrafiken dieser Sammlung werden in ledergebundenen Folianten verwahrt, die traditionell als „Klebebände“ bezeichnet werden. Die Sammlung als solche ist nach europäischen Kunstlandschaften gegliedert und umfasst die Bereiche Deutsch, Frankreich, Holland und die Niederlande, Italien sowie England. Der Klebeband, in welchem sich die vorliegende Seite befindet, umfasst Arbeiten aus dem Raum Italien. Er gehört in der Sammlungsstruktur zur Sektion 3. Diese Sektion vereint vorwiegend Druckgrafiken, die in der Technik der Radierung ausgeführt wurden. Es ist der 1. Klebeband dieser Sektion. Über den Bereich „Verbundene Objekte“ können Sie den gesamten Klebeband einsehen.
Die historischen Klebebände der Albertina konnten in einem umfassenden Forschungs- und Digitalisierungsprojekt erschlossen und digital zugänglich gemacht werden. Insgesamt umfasst die Sammlung der Albertina 1436 historische Folianten, davon beinhalten 749 die Druckgrafiken des herzoglichen Sammlerpaares. Mehr zum Projekt
Text

Schiavones Radierung greift auf einen Entwurf für die sog. Madonna mit der hl. Margarete zurück, die Parmigianino für die Benediktinerinnen der Kirche der hl. Margarete in Bologna gemalt hat. Das 1529 vollendete Bild ist das größte und ambitiöseste Bild, das der Künstler in Bologna (heute Pinacoteca Nazionale; https://www.pinacotecabologna.beniculturali.it/it/content_page/item/249-madonna-col-bambino-e-i-santi-margherita-girolamo-e-petronio§) geschaffen hat. K. Oberhuber (Wien 1963, S. 75; https://permalink.obvsg.at/alb/AC00479453§) hat bereits auf den Bezug zu Parmigianinos modelloartigem Entwurf in Rötel mit Weißhöhung in den Uffizien (Popham 1971, Nr. 79, Pl. 224; https://permalink.obvsg.at/alb/AC09003983§) hingewiesen, der schon im 16. Jahrhundert Berühmtheit erlangt hat. Er hat durch Abrieb gelitten, vermutlich weil er verschiedenen druckgrafischen Reproduktionen zugrunde lag. Er diente gleichseitig als Vorlage für eine Radierung von Battista Angolo del Moro (B. XVI, S. 180, Nr. 7; https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bartsch1818bd16/0190/image,info§) und den Kupferstich eines unbekannten Meisters (Wien 1963, Nr. 72; https://permalink.obvsg.at/alb/AC00479453§). Am genauesten überliefert ihn ein Antonio da Trento zugeschriebener, gegenseitiger Clair-obscur-Holzschnitt (B. XII, S. 64f., Nr. 24; https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bartsch1811bd12/0072/image,info§). Diese oder eine heute verlorene, unmittelbar verwandte Zeichnung dürfte auch Schiavone verwendet haben. Es ist unwahrscheinlich, dass seine Radierung von einer der druckgrafischen Reproduktionen abhängig ist, weil der parmigianineske Figurenstil dem Original ungleich näher kommt und im unteren Bereich der Zeichnung ein Kreis angedeutet ist, den nur Schiavone aufgegriffen und in ein Nähkörbchen umgestaltet hat. Von dem Entwurf übernahm Schiavone die Hauptfiguren, vertauschte aber die hl. Margarete durch die hl. Katharina von Alexandrien. Sie nimmt das Christuskind in den Arm, das beherzt seinen Kopf wendet und der Mutter einen sehnsüchtigen Blick zuwirft. In Parmigianinos Entwurf legt die Muttergottes ihren rechten Arm auf die Schulter Katharinas, wodurch ein enger Bezug zwischen den Frauen entsteht. Schiavone ändert dies ab und lässt den Heiland beide Arme auf die Schultern Katharinas legen. Er ersetzt zudem Parmigianinos Heilige Hieronymus und Benedikt durch Josef und Elisabeth oder Anna und fügt am rechten Rand ein Mauerstück ein, vermutlich um der Szene eine raumhaftere Dimension zu geben. Darüber hinaus steigert er die Bedeutung der Muttergottes, indem er sie aus der Figurengruppe heraushebt und sie durch einen strahlenden Heiligenschein auszeichnet. Die Art, wie die einzelnen Heiligen relativ isoliert voneinander wiedergegeben sind und sich die Bewegungen in die Fläche breiten und nicht wirklich ineinander fließen, lässt an eine frühe Entstehung der Radierung denken. Andererseits sind die Körper plastisch durchgestaltet und die Gewänder legen sich rundend um die Gliedmaßen, was einen Vergleich mit Blättern wie Bellona (Achim Gnann und Milan Pelc (Hg.), Andrea Meldolla Schiavone. Printmaking Genius of Mannerism (Kat. Ausst. Museum of Fine Arts, Osijek 2023) Kat. 34; https://permalink.obvsg.at/alb/AC16965842§) oder Mars und Cupido (Zerner 1979, S. 100; https://permalink.obvsg.at/alb/AC00337331§) ermöglicht. Aus dieser Zeit, um 1542-1543/44, dürfte auch die vorliegende Radierung stammen. Der erste Zustand des Druckes (Paris, Bibliothèque Nationale Réserve Bd. 5 (f)-Fol, C 8326) ist am einfachsten daran zu erkennen, dass der Zipfel des Schleiers links vom Kopf Marias fehlt. Möglicherweise einen zweiten Zustand überliefert ein Exemplar im British Museum (Inv. W,2.6; https://www.britishmuseum.org/collection/object/P_W-2-6§), in dem die Gesichter von Josef und Elisabeth oder Anna und das Gewand Marias unterhalb des Christuskindes verändert zu sein scheinen. Der unten leicht beschnittene Abzug der Albertina repräsentiert den dritten Zustand, in dem der Schleierzipfel eingefügt, die Gesichter des Paares rechts verändert und an vielen Stellen zusätzliche Schraffuren hinzugefügt wurden. Am auffälligsten sind die ergänzenden Strichlagen an der Wange, dem Rücken und der Hüfte der hl. Katharina, bei der Schiavone zudem den Umhang etwas verbreitert und den Saum des Gewandes mit Einschnitten versehen hat. Das Gewand Marias rechts vom ausgestreckten Arm ist stärker verschattet, wodurch eine wirkungsvollere Verkürzung entsteht. Insgesamt steigert der Künstler die Helldunkelkontraste und sucht die Gestalten überzeugender in den Raum einzubetten.

vgl. Achim Gnann und Milan Pelc (Hg.), Andrea Meldolla Schiavone. Printmaking Genius of Mannerism (Kat. Ausst. Museum of Fine Arts, Osijek 2023) Kat. 40, https://permalink.obvsg.at/alb/AC16965842§).

 

 

Catalogue raisonné
  • B.XVI.1.60
  • Bibliography
  • Achim Gnann und Milan Pelc (Hg.), Andrea Meldolla Schiavone. Printmaking Genius of Mannerism (Kat. Ausst. Museum of Fine Arts, Osijek 2023) Kat. 40.

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    Last edited18.03.2024