Triumphzug Kaiser Maximilians I.: Der Schweizer Krieg und der Krieg gegen Neapel
Albrecht Altdorfer
um 1512 - 1515
Blatt 64: Der von Januar bis September 1499 geführte Schweizer Krieg (Schwabenkrieg) um die Vorherrschaft im habsburgisch-schweizerischen Grenzgebiet endete für Maximilian mit einer Niederlage und führte de facto zum Ausscheiden der Schweiz aus dem Machtbereich des Reiches. Die Darstellung dieses Krieges in der rechten Schautafel gibt jedoch keinen Hinweis auf den tatsächlichen Ausgang des blutigen Krieges, sondern präsentiert auch diesen als Sieg Maximilians.
Die linke Kriegsdarstellung bezieht sich auf den Krieg zwischen Spanien und Frankreich um die Herrschaft über Neapel im Jahr 1503. Maximilian schickte dem spanischen Vizekönig über Triest per Schiff deutsche Landsknechte zu Hilfe, um sowohl einen Bündnispartner für seinen Romzug zur Kaiserkrönung als auch für die Wiederherstellung der Reichsrechte in Italien zu gewinnen.
Die brillant erfundenen und schwungvoll hingeworfenen Miniaturen galten früher als Werk des kaiserlichen Hofmalers #Jörg Kölderer; erst die Untersuchung durch Franz Winzinger anlässlich der Teilfaksimilierung erbrachte 1972/73 die gültige Zuschreibung an den Regensburger Meister und seine Werkstatt. Altdorfer, über dessen Jugend fast nichts bekannt ist, gilt als Begründer der so genannten "Donauschule", wirkte zeitlebens in Regensburg und schuf mit seinem eigenwilligen, oft dramatischen Natur- und Figuralstil einen Gegenpol zum klassischen Werk seines Zeitgenossen #Albrecht Dürer.
Erhalten haben sich 62 von ursprünglich 109 großformatigen Blättern des "Triumphzugs für Kaiser Maximilian I." (1459-1519), die eine Gesamtlänge von bis zu hundert Metern erreicht haben dürften, was Fragen nach der Art der Präsentation aufwirft. Sie wäre etwa in Rathäusern denkbar, worauf vielleicht das Wandbild des Triumphwagens in Nürnberg hinweist. Sinnmitte der überwältigenden Fülle maximilianischer Kunstunternehmungen ist stets die "Ehre" des Kaisers, deren unübertrefflicher Glanz zugleich die ewige "gedechtnus" - also das ruhmreiche Andenken - Maximilians gewährleisten. Insofern sind seine Werke - trotz unterschiedlichster Themen und Akzentuierungen - letztlich Variationen ein und desselben Themas, das im unvollendeten Innsbrucker Grabmal seinen monumentalen Abschluss fand. Ob der Kaiser oder Altdorfer den einzigen vorher gedruckten Triumphzug - die Kupferstiche mit dem Triumph Caesars nach #Andrea Mantegna - gekannt haben, ist hier eher nachrangig. Denn nach dem von Maximilian 1512 selbst diktierten Programm und ausweislich der zeitgenössischen Trachten lebt der antike Triumphzug nur als Grundidee und im Titel fort, während für den Inhalt auf die maximilianische Literatur in Gestalt von (Auto-)Biografien, geschichtlichen Darstellungen, Genealogien und Heraldica zurückgegriffen wurde. Die komprimierteste und - bedingt durch den Tod des Kaisers 1519 - endgültige Redaktion all dieser Aspekte bietet #Albrecht Dürers monumentaler Riesenholzschnitt der "Ehrenpforte" von 1517/18, während Altdorfer das annähernd gleiche Material rapportartig vor dem Betrachter defilieren lässt. Ein wirklicher Triumphzug "all'antica" war Maximilian niemals bereitet worden, und die feierlichen Einzüge in den burgundischen oder gar in den Städten des Reiches hatten ein anderes Gepräge. Am ehesten sind herrscherliche Trauerzüge vergleichbar, bei denen von den hierarchisch gegliederten Fürsten und Ständen Fahnen, Insignien und Funeralwaffen mitgeführt und gezeigt wurden.
Mit zum Besten unter den Miniaturen zählen die lebensvollen Bilder der maximilianischen Schlachten und Siege, bei denen die figurenreichen, durch Fahnen und Lanzen dynamisierten Heere in stimmungsvollen Fernlandschaften aufeinanderprallen. Obwohl kaum als Wiedergaben realer Gegenden aufzufassen, liegt ihrer atmosphärischen Dichte doch unverkennbar Altdorfers einfühlsame Beobachtung von Naturstimmungen zugrunde.
Sein Können beweist aber auch der Beginn der langen Folge von Maximilians Getreuen, angeführt von den Herzögen von Bayern, Sachsen und Braunschweig: Der Gefahr ermüdender Wiederholung tritt Altdorfer durch das bunte Gewoge der mächtigen Fahnen und Helmbüsche und die individuelle Charakteristik der Harnische und ihres goldgehöhten Dekors entgegen. Altdorfers Errungenschaften in der Landschaftsmalerei und in der Schlachtendarstellung sollten in der weltberühmten "Alexanderschlacht" von 1529 (Alte Pinakothek, München) zu einer Inkunabel altdeutscher Malerei werden.
Wie bei fast allen maximilianischen Kunstwerken ließ der Kaiser für den eigenen Gebrauch eine kostbare goldgehöhte Miniaturfassung anfertigen, während die Verbreitung durch den Holzschnitt erfolgte. Der Holzschnitt-Triumph ging allerdings erst 1526 unter Ferdinand in Druck und erreicht - seinerseits nicht ganz vollendet - eine Länge von etwa fünfundfünfzig Metern.
Es haben sich mehrere Kopien nach den Darstellungen erhalten, deren Wert vor allem in der Wiedergabe verlorener Originale liegt (Österreichische Nationalbibliothek, Wien, Cod. Min. 77 [vollständig]; Albertina, Wien, Inv. 43299 - Inv. 43315; Nationalbibliothek, Madrid). Maximilians Triumphzüge initiierten eine lange Reihe ähnlicher Folgen, die bei fürstlichen Krönungen, Leichenbegängnissen, Hochzeiten oder Einzügen fast bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches geschaffen wurden.
Thomas Schauerte, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 19.
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