Triumphzug Kaiser Maximilians I.: Die Artillerie
Albrecht Altdorfer
um 1512 - 1515
Zum Triumphzug generell vgl. die Texte bei Inv. 25205.
Blätter 74 - 77: Maximilians großes Interesse an der Entwicklung von moderner Artillerie spiegelt sich in der Darstellung seiner modernsten Geschütztypen. Neben Landsknechtspießen, Hellebarden, gefüllten Pulversäcken und Spitzhacken zum Stellungsbau wird in der Mitte des großformatigen Blattes eine fahrbare Pulverstampfe zur Herstellung von Schwarzpulver mitgeführt. Davor befindet sich ein Wagen mit Hebegeräten und Seilen zur Montage. Das schwerste Geschütz ist eine Kanone (ganz links), die von 14 Pferden gezogen wird. Sie war wegen ihres hohen Gewichts für den Bewegungskrieg ungeeignet und diente nur für Belagerungen, wobei das Kanonenrohr bis zur Hälfte eingegraben wurde, um den Rückstoß aufzufangen. In der Reihe dahinter sieht man einen großen Bronzemörser, der auch zur schweren Belagerungsartillerie gehörte. Davor ist ein Wagen mit Kammerbüchsen zu sehen, mit denen die Streitwagen Maximilians ausgerüstet waren. Diese kleinen Geschütze (Falkonette) verschossen Kugeln von etwa einem Kilogramm Gewicht und waren hervorragende Begleitgeschütze für die Infanterietruppen.
Der Triumphzug wurde nach genauen Anweisungen Kaiser Maximilians geschaffen und spiegelt auch den Stolz Maximilians auf seine militärischen Erfolge wider. In den Triumphwagen, auf denen die Waffen geschlagener Gegner mitgeführt werden, zeigt sich eine Mischung aus zeitgenössischen und antikisierenden Waffen, wie sie für den Triumph eines Römischen Königs und Kaisers durchaus passend erscheinen. Der Triumphwagen nach den Wappenfahnen von Bosnien und Kroatien (Inv. 25215) zeigt osteuropäische und türkische Waffen wie Säbel, Reflexbögen, Pfeile, ungarische Tartschen und osteuropäische Streitkolben. Nach dem Bild von der Böhmischen Schlacht (Inv. 25222) führt ein weiterer Triumphwagen korrekterweise hussitische Waffen, wie Setztartschen, Dreschflegel und Armbrüste, die von den böhmischen Söldnern verwendet wurden, mit sich. Der Triumphwagen nach dem Bild des Sieges gegen die Lütticher (Inv. 25210) zeigt eine Kombination aus antikisierenden römischen Rüstungen mit zeitgenössischen Waffen wie Büchsen, Gläfen und Helmbarten.
Der Triumphzug verdeutlicht das große Interesse Kaiser Maximilians an der Entwicklung der modernen Artillerie. Seine Geschütze waren die modernsten ihrer Zeit. Im Triumphzug findet eine Parade der verschiedenen Geschütztypen der maximilianeischen Artillerie statt. Die in einer Dreierreihe angeordneten Geschütze und Wagen werden von Pferden gezogen, wobei man von der Anzahl der vorgespannten Pferde auf das Gewicht des Geschützes schließen kann. Neben den Geschützen finden sich Wagen mit Ausrüstungsgegenständen, wie langen Landsknechtspießen, Helmbarten, Pulversäcken und Spitzhacken zum Stellungsbau. In etwa der Mitte der Artillerie wird auch eine fahrbare Pulverstampfe zur Herstellung von Schwarzpulver mitgeführt. Davor befindet sich ein Wagen mit Hebegeräten und Seilen zur Montage der Hauptstücke in ihre Erdbettungen. Das schwerste Geschütz, das von 14 Pferden gezogen wird, ist das Hauptstück. Diese Kanone (ganz links im Bild) war für den Bewegungskrieg wegen ihres Gewichts ungeeignet. Sie diente nur für Belagerungen, wobei das Kanonenrohr auf Kanthölzern oder Balken montiert wurde und meist – um den Rückstoß besser auffangen zu können – bis zur Hälfte des Rohres eingegraben wurde. Die Höhenrichtung des Geschützes wurde durch untergelegte Keile erreicht. In der zweiten Reihe hinter den Pferden, die das Hauptstück ziehen, sieht man einen großen Bronzemörser, der auch zur schweren Belagerungsartillerie gehörte und im Steilfeuer ein feindliches Ziel bekämpfen konnte. Dieser schwere Mörser wird von sechs Pferden gezogen. Davor sieht man einen Wagen mit Kammerbüchsen, die aus Schmiedeeisen gefertigt wurden. Bei diesen leichten Geschützen handelt es sich um Hinterlader, die mit beweglichen Kammern versehen waren, in die die Pulverladung und die Kugel geladen wurden. Die Kammerbüchsen waren die Artillerie, mit denen die Streitwagen Maximilians ausgerüstet waren. Vor dem Hauptstück wird eine Scharfmetze von acht Pferden gezogen. Der Name dieses schweren, aber durch die fahrbare Lafette beweglichen Geschützes bezieht sich auf den italienischen Begriff einer mezza bombarda (halbe Hauptbüchse), also eines Geschützes, das halb so schwer wie ein Hauptstück war. Durch Schildzapfen ließ sich das Geschützrohr mit der Lafette vertikal bewegen. Vor diesem schweren Feldgeschütz, das Eisenkugeln verschoss, befinden sich noch zwei leichte Feldgeschütze, die von jeweils einem Pferd gezogen werden. Diese kleinen Geschütze (Falkonette) verschossen Kugeln von etwa einem Kilogramm Gewicht und waren hervorragende Begleitgeschütze für die Infanterietruppen. Da das kleine Rohr auf einer Gabellafette montiert war, konnte es von einem Pferd gezogen werden.
Die Schlachtenbilder, die im Triumphzug mitgetragen werden, zeigen realistische Elemente der Kriegsführung des frühen 16. Jahrhunderts, kombiniert mit stereotypen Elementen, die nicht auf den jeweiligen Kriegsschauplatz zugeschnitten werden. Gegnerische Truppen werden fast immer mit Schweizer Fahnen dargestellt, auch wenn auf diesem Kriegsschauplatz sicher keine Schweizer Truppen anwesend waren. Diese kämpften vor allem in französischen Diensten bei fast allen Kriegen Maximilians gegen Frankreich, und in den Kämpfen gegen die Eidgenossen ist die Darstellung von Schweizer Fahnen wohl unumgänglich. Aber weder auf dem ungarischen Kriegsschauplatz (Inv. 25213) noch im niederbayrischen Erbfolgekrieg (Inv. 25222) dürften die Gegner Maximilians Schweizer Truppenteile beschäftigt haben. Die Schweizer Fahne wird so zur Chiffre für die Gegner Maximilians, so wie das burgundische Andreaskreuz seine Truppenteile kennzeichnet. Auch die Landschaft in den kriegerischen Szenen nimmt wenig Rücksicht auf die historischen Gegebenheiten. So findet sich im Hintergrund der Belagerung von Stuhlweißenburg im Ungarischen Krieg genauso eine Berglandschaft, die nicht in die ungarische Ebene passt, wie im Hintergrund der beiden Flämischen Kriege (Inv. 25209, Inv. 25212, Inv. 25213).
Die Schlachtendarstellungen zeigen fast immer eine Kombination aus dem Angriff zweier Infanterieeinheiten gegeneinander mit einer Reiterschlacht zwischen zwei Kavallerieeinheiten. Diese Einheiten werden im Vordergrund oder im Mittelgrund gezeigt, ohne dass sich eine konkrete taktische Situation erkennen ließe. Nur in zwei Beispielen wurde diese schematische Darstellung des Krieges durchbrochen. Bei dem Sieg Maximilians I. in der Schlacht bei Wenzenbach (vgl. Inv. DG1959/279), einem der bedeutendsten militärischen Ereignisse des Landshuter Erbfolgekriegs, wird der Angriff der Truppen Maximilians auf die auf einem Hügel verschanzten böhmischen Söldner gezeigt. Die Pfälzer hatten eine Armee von etwa 6000 Mann, darunter 3000 böhmische Söldner, aus dem Bayerischen Wald gegen Regensburg geführt, wo sie von Maximilian überrascht wurden. Die Pfälzer Reiterei ergriff die Flucht, und die böhmische Infanterie zog sich auf einen Hügel zurück, errichtete eine Wagenburg und verschanzte sich hinter einer Wand von großen Schilden. Maximilian griff sie mit seiner Reiterei an und geriet dabei selbst in Lebensgefahr. Durch diesen stürmischen Angriff wurden die Linie der Böhmen überrannt und die Söldner der pfälzischen Partei vernichtend geschlagen. 2000 böhmische Söldner sollen dabei gefallen sein, 600 wurden gefangen genommen. Die Verluste der Angreifer waren mit nur 200 Mann sehr gering. Diese Schlacht und die Belagerung von Kufstein unter der Überschrift Der Bayrische Krieg (Inv. 25221) zeigen konkrete militärische Situationen und heben sich so von den schematischen Kriegsdarstellungen der anderen Schlachtenbilder des Triumphzugs ab.
Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 53a, S. 238.
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