Albrecht Altdorfer, Triumphzug Kaiser Maximilians I.: Die Deutschen Fürsten, Inv. Nr.: 25247
Triumphzug Kaiser Maximilians I.: Die Deutschen Fürsten
Albrecht Altdorfer, Triumphzug Kaiser Maximilians I.: Die Deutschen Fürsten, Inv. Nr.: 25247
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Triumphzug Kaiser Maximilians I.: Die Deutschen Fürsten

Albrecht Altdorfer

um 1512 - 1515




Zum Triumphzug generell vgl. die Texte bei Inv. 25205.

Blatt 94 (Inv. 25247) und 95 (Inv.25248): Ihrem hohen Rang entsprechend folgen die auserwählten Fürsten unmittelbar dem kaiserlichen Wagen. Durch ihr reiches Dekor und die schwungvoll gemalten Fahnen zählen diese beiden Blätter zu den schönsten des Triumphzugs.



Künstler:in (1480 - 1538 Regensburg)
An der Entstehung Beteiligte:r (Deutschland, Regensburg ca. 1510 - 1538)
Vormals zugeschrieben an (Österreich, Tirol ca. 1490 - 1540)
Dateum 1512 - 1515
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Braun, Aquarell und Deckfarben mit Goldhöhungen auf Pergament
Dimensions45 x 95 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number25247
InscribedAufschriften: „Die erkoren Fursten“ und die Namen derselben.
Text

Die brillant erfundenen und schwungvoll hingeworfenen Miniaturen galten früher als Werk des kaiserlichen Hofmalers #Jörg Kölderer; erst die Untersuchung durch Franz Winzinger anlässlich der Teilfaksimilierung erbrachte 1972/73 die gültige Zuschreibung an den Regensburger Meister und seine Werkstatt. Altdorfer, über dessen Jugend fast nichts bekannt ist, gilt als Begründer der so genannten "Donauschule", wirkte zeitlebens in Regensburg und schuf mit seinem eigenwilligen, oft dramatischen Natur- und Figuralstil einen Gegenpol zum klassischen Werk seines Zeitgenossen Albrecht Dürer.
Erhalten haben sich 62 von ursprünglich 109 großformatigen Blättern des "Triumphzugs für Kaiser Maximilian I." (1459-1519), die eine Gesamtlänge von bis zu hundert Metern erreicht haben dürften, was Fragen nach der Art der Präsentation aufwirft. Sie wäre etwa in Rathäusern denkbar, worauf vielleicht das Wandbild des Triumphwagens in Nürnberg hinweist. Sinnmitte der überwältigenden Fülle maximilianischer Kunstunternehmungen ist stets die "Ehre" des Kaisers, deren unübertrefflicher Glanz zugleich die ewige "gedechtnus" - also das ruhmreiche Andenken - Maximilians gewährleisten. Insofern sind seine Werke - trotz unterschiedlichster Themen und Akzentuierungen - letztlich Variationen ein und desselben Themas, das im unvollendeten Innsbrucker Grabmal seinen monumentalen Abschluss fand. Ob der Kaiser oder Altdorfer den einzigen vorher gedruckten Triumphzug - die Kupferstiche mit dem Triumph Caesars nach #Andrea Mantegna - gekannt haben, ist hier eher nachrangig. Denn nach dem von Maximilian 1512 selbst diktierten Programm und ausweislich der zeitgenössischen Trachten lebt der antike Triumphzug nur als Grundidee und im Titel fort, während für den Inhalt auf die maximilianische Literatur in Gestalt von (Auto-)Biografien, geschichtlichen Darstellungen, Genealogien und Heraldica zurückgegriffen wurde. Die komprimierteste und - bedingt durch den Tod des Kaisers 1519 - endgültige Redaktion all dieser Aspekte bietet Albrecht Dürers monumentaler Riesenholzschnitt der Ehrenpforte von 1517/18, während Altdorfer das annähernd gleiche Material rapportartig vor dem Betrachter defilieren lässt. Ein wirklicher Triumphzug "all'antica" war Maximilian niemals bereitet worden, und die feierlichen Einzüge in den burgundischen oder gar in den Städten des Reiches hatten ein anderes Gepräge. Am ehesten sind herrscherliche Trauerzüge vergleichbar, bei denen von den hierarchisch gegliederten Fürsten und Ständen Fahnen, Insignien und Funeralwaffen mitgeführt und gezeigt wurden.
Mit zum Besten unter den Miniaturen zählen die lebensvollen Bilder der maximilianischen Schlachten und Siege, bei denen die figurenreichen, durch Fahnen und Lanzen dynamisierten Heere in stimmungsvollen Fernlandschaften aufeinanderprallen. Obwohl kaum als Wiedergaben realer Gegenden aufzufassen, liegt ihrer atmosphärischen Dichte doch unverkennbar Altdorfers einfühlsame Beobachtung von Naturstimmungen zugrunde.
Sein Können beweist aber auch der Beginn der langen Folge von Maximilians Getreuen, angeführt von den Herzögen von Bayern, Sachsen und Braunschweig: Der Gefahr ermüdender Wiederholung tritt Altdorfer durch das bunte Gewoge der mächtigen Fahnen und Helmbüsche und die individuelle Charakteristik der Harnische und ihres goldgehöhten Dekors entgegen. Altdorfers Errungenschaften in der Landschaftsmalerei und in der Schlachtendarstellung sollten in der weltberühmten "Alexanderschlacht" von 1529 (Alte Pinakothek, München) zu einer Inkunabel altdeutscher Malerei werden.
Wie bei fast allen maximilianischen Kunstwerken ließ der Kaiser für den eigenen Gebrauch eine kostbare goldgehöhte Miniaturfassung anfertigen, während die Verbreitung durch den Holzschnitt erfolgte. Der Holzschnitt-Triumph ging allerdings erst 1526 unter Ferdinand in Druck und erreicht - seinerseits nicht ganz vollendet - eine Länge von etwa fünfundfünfzig Metern.
Es haben sich mehrere Kopien nach den Darstellungen erhalten, deren Wert vor allem in der Wiedergabe verlorener Originale liegt (Österreichische Nationalbibliothek, Wien, Cod. Min. 77 [vollständig]; Albertina, Wien, Inv. 43299-43315; Nationalbibliothek, Madrid). Maximilians Triumphzüge initiierten eine lange Reihe ähnlicher Folgen, die bei fürstlichen Krönungen, Leichenbegängnissen, Hochzeiten oder Einzügen fast bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches geschaffen wurden.

Thomas Schauerte, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 20.

Catalogue raisonné
  • Tietze/Tietze-Conrat 1933, 271
  • Bibliography
  • AK Wien 1959, Nr. 259
  • Winzinger 1972, Nr. 94
  • AK Berlin/Regensburg 1988, Nr. 89 f.
  • Müller 2000b, S. 239-254
  • Schröder 2008 (T. Schauerte)
  • Ausst.-Kat. Albertina 2012, Nr. 53 (E. Michel), Abb. S. 225 ff.
  • AK Albrecht Altdorfer. Maître de la renaissance allemande, Musée du Louvre, Paris 2020, S. 168, Kat. 44a und b (C. Metzger)

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    Last edited30.10.2025