Prinz Alexander von Sachsen (1554-1565)
Lucas Cranach d. J.
um 1564
Rahmenaußenmaß 52,4 × 44 × 4,1 cm
Lukas Cranach der Jüngere war ab 1535 Mitglied in der großen Werkstatt seines #Vaters. Einer ihrer wichtigsten Auftraggeber war der kursächsische Hof, für den die Familie Cranach Jagdbilder, allegorische und religiöse Werke, Entwürfe für Bildteppiche und von Beginn an auch Einzelbildnisse und Bildnisreihen ausführte. Den Erfolg der Cranach-Werkstatt konnten auch die Auswirkungen des Schmalkaldischen Krieges nicht schmälern. Zwar folgte der ältere #Lukas Cranach mit der Wittenberger Kapitulation dem Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen in dessen Gefangenschaft nach Weimar, doch führte sein Sohn die Wittenberger Werkstatt weiter. Allerdings war ihm durch den Verlust der Kurfürstenwürde Johann Friedrichs das Amt des Hofmalers verwehrt und deshalb gingen an ihn kaum größere Aufträge für Wandmalereien. Im Vergleich zu seinem Vater trat auch sein Wirken im Holzschnitt etwas zurück, dafür aber wurde er zu einem der gefragtesten Bildnismaler, der für den Kurfürsten August von Sachsen und für Erzherzog Ferdinand von Österreich zahlreiche Porträts ausführte.
Die vorliegende Zeichnung der Albertina zeigt das Bildnis Alexanders von Sachsen, einem Sohn des Kurfürsten August von Sachsen. Das Blatt bereitete den Kopf eines ganzfigurigen Porträtgemäldes vor, das signiert und mit 1564 datiert ist und sich heute im Depot der Dresdener Gemäldegalerie auf Schloss Moritzburg befindet.
Die Zeichnung hatte im Cranach-Kreis noch eine dienende Rolle. Sie war zumeist zweckgebunden, bereitete Holzschnitte und gelegentlich auch Bildnisse vor. Für letztere hatte die Cranach-Werkstatt eine vom älteren Cranach entwickelte ökonomische Technik tradiert, die von seinem Sohn weiter gepflegt wurde: Mit dem Pinsel wurden Kleidung und Haartracht nur zart angedeutet, das Gesicht hingegen bildmäßig ausgeführt. Das in Öltempera gemalte Antlitz des Porträtierten der Albertina-Zeichnung könnte auch ein "modello", ein dem Auftraggeber zur Begutachtung vorzulegender Entwurf, gewesen sein.
Das auf der Kopfstudie der Albertina aufbauende ganzfigurige Gemälde war Teil einer Reihe von Familienporträts; abgesehen von den Bildern von Alexanders Mutter Anne Oldenburg, Prinzessin von Dänemark, und von Alexanders Schwester Elisabeth, die in das Jahr 1564 datieren, hat Cranach ein Jahr später auch das Porträt des Vaters, des Kurfürsten August von Sachsen, der Reihe hinzugefügt. Außer dem vorliegenden Porträt hat sich noch eine weitere Zeichnung, die das Bildnisgemälde von Elisabeth vorbereitet, erhalten. Sie befindet sich heute im Kupferstichkabinett in Berlin und ist nicht nur technisch und stilistisch mit der Albertina-Zeichnung eng verwandt, sondern ähnelt der Wiener Zeichnung auch in der typenhaften Porträtauffassung. Das Antlitz des Porträtierten ist unbewegt und unbelebt; der den Stand des Knaben repräsentierende distanzierte Ausdruck war wichtiger, als dessen individuelle Persönlichkeit. Einzig das zarte Gesicht mit dem rosa Teint zeugen von der Jugendlichkeit des Knaben und seine ernst blickenden Augen vielleicht von der Last einer kommenden Verantwortung, die er aber nie wahrnehmen sollte. Er starb 1565 im Alter von nur elf Jahren.
Heinz Widauer, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, S. Nr. 18.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/87487/prinz-alexander-von-sachsen-15541565Image Request