Die Kreuzigung Petri
Giuseppe Ribera, gen. l'Espagnolet
um 1625-1630
Von dem 1591 im spanischen Játiva, unweit von Valencia, geborenen Maler Jusepe de Ribera sind nur Werke aus seiner Zeit in Italien bekannt. Er wanderte früh dorthin aus, reiste nach Parma und Padua, wo er mit der venezianischen Malerei in Kontakt kam. Für sein weiteres Schaffen wurde der Einfluss von #Caravaggio maßgeblich, von dem er Werke bei seinem Aufenthalt in Rom kennen lernte. Von 1616 bis zu seinem Tod 1652 lebte Ribera in Neapel.
In der "Kreuzigung Petri" schildert der Künstler ausführlich, wie sich die rohen Henkersknechte bemühen, den Körper des Heiligen auf das Kreuz hinaufzuzerren. Der ungeschönte Realismus ruft unmittelbar Caravaggios Darstellung der gleichen Thematik in S. Maria del Popolo in Rom in Erinnerung. Daran gemahnt auch das kraftvolle Helldunkel, das Petrus mit den zur Hälfte verschatteten Schergen verbindet und ihn zugleich durch das frei über den Körper strömende Licht als Hauptfigur heraushebt. Die eindrucksvolle, weit ausgreifende Armgebärde setzt Petrus um ein Weiteres von der Gruppe ab. Der Typus des Heiligen mit seinem ausgemergelten Leib und dem massigen, kahlen Haupt erinnert an ein Werk des Bologneser Malers #Guido Reni, der ein weiteres großes Vorbild von Ribera war. Gemeint ist Renis 1604/05 gemalte Kreuzigung Petri in der Pinacoteca Vaticana, der sich der Künstler auch insofern annähert, als er das Kreuz ähnlich steil aufrichtet.
Das Wiener Blatt besticht durch die wässrige Lavierung und die feinen Federlinien, die den hageren Leib des Heiligen mit seiner alten, ledrigen Haut höchst anschaulich wiedergeben. Der dramatische Gehalt der Szene wird auch durch die für Ribera charakteristische Konzentration und Spannung der Figuren bewirkt, deren Bewegungen höchst unmittelbar und mit großem Nachdruck hervorgebracht sind.
Die Darstellung lässt sich zwar mit keinem ausgeführten Werk des Künstlers in Verbindung bringen, doch knüpft sie thematisch und stilistisch an eine Reihe von Martyriumsdarstellungen an, die Ribera gegen Ende der 20er-Jahre des 17. Jahrhunderts gemalt hat (vgl. Pérez Sánchez/Spinosa 1978, Nr. 32, 34, 35).
Ribera hat sich mit der Darstellung der Kreuzigung Petri in zwei weiteren Zeichnungen befasst, in denen der Heilige in ähnlicher Weise dargestellt ist (The Metropolitan Museum of Art, New York und Real Academia de Bellas Artes de San Fernando, Madrid; AK Princeton/Harvard 1973/74, Nr. 14, 24). Da aber kompositionelle Unterschiede zu der Wiener Zeichnung bestehen, ist noch zu klären, ob diese Blätter für ein und dasselbe Projekt oder für unterschiedliche Gemälde geschaffen worden sind.
Achim Gnann, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 119.
