Der Eisenbahnviadukt in Brünn (Guckkastenblatt)
Eduard Gurk
um 1839
Ein mächtiges Eisenbahnviadukt prägt das Panorama von Brünn (Brno), der Hauptstadt Mährens. Die Stadt selbst erscheint verkleinert in der Ferne, mit der Festung Spielberg (Špilberk) und der markanten St.-Peter-und-Paul-Kathedrale (noch ohne die erst 1901–1909 hinzugefügten neugotischen Türme). Die Eisenbahn veränderte im 19. Jahrhundert nicht nur die Mobilität von Gütern und Personen, sondern auch Landschaften und Städte. Ab 1837 wurde zur Verbindung Wiens mit den Bergbaugebieten in Nordmähren, Schlesien und Galizien die erste Dampfeisenbahnlinie des Kaisertums Österreich errichtet, die zu Ehren Ferdinands I. »Kaiser-Ferdinand-Nordbahn« genannt wurde. Bereits im Juli 1839 war die Strecke bis Brünn fertiggestellt.
Das Aquarell mit dem Eisenbahnviadukt zu Brünn ist innerhalb der Guckkastenserie das vielleicht markanteste Beispiel für die Strukturierung einer Vedute durch ein technisches Bauwerk. Seine fast bis zum Horizont reichenden arkadenartigen Substruktionen demonstrieren die im Jahr 1839 – also praktisch zeitgleich mit der Entstehung der Ansicht – erfolgte Anbindung der Hauptstadt Mährens an die Österreichische Nordbahn. Mit Hilfe dieses kompositionellen Kunstgriffs wird das Auge des Betrachters am Viadukt entlang geführt, um dann ausgehend vom rechten Mittelgrund über die markante Silhouette der im 15. Jahrhundert errichteten St. Peter- und Paulskathedrale, die hier noch nicht die beiden erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts hinzugefügten neogotischen Türme aufweist, bis zur berüchtigten Festung Spielberg, dem Staatsgefängnis der Monarchie, weitergeleitet zu werden.
AK: Jakob und Rudolf von Alt, Im Auftrag des Kaisers, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder und Maria Luise Sternath, Bad Vöslau 2010, S. 107, Abb. 52.
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