Die Grabeskirche in Jerusalem (Guckkastenblatt)
Leander Russ
1842
Neben der Ansicht des Hafens von Beirut (Inv. 22753) und jener von Bethlehem (Inv. 22751) zählt dieses Aquarell zu jenen Guckkastenblättern, die ferne Städte außerhalb der Monarchie zum Thema haben: Die Grabeskirche von Jerusalem wurde im dritten Viertel des 4. Jahrhunderts über dem Grab Jesu Christi und auf dem Golgothahügel – dem Ort der Kreuzigung – errichtet. Das Aquarell zeigt den von Betenden bevölkerten Vorhof zur Kirche mit dem halb verfallenen Glockenturm und der Fassade des südlichen Querschiffs, dessen spitzbogig überwölbtes (nun zum Teil vermauertes) Doppelportal als Haupteingang diente.
Die im Lauf ihrer wechselvollen Geschichte mehrfach erweiterte und zerstörte Grabeskirche bot Leander Russ ein reizvolles Motiv. Dem Künstler ist es hier gelungen, das Spiel von Licht und Schatten auf dem vielfach strukturierten Mauerwerk vor dem strahlend blauen Himmel auf meisterhafte Weise einzufangen. Ob die Darstellung auf eigener Anschauung basiert – Russ war 1833 im Gefolge des Diplomaten #Anton Graf Prokesch in den Orient gereist, jedoch ist von ihm keine Reise ins Heilige Land dokumentiert – oder ob der Künstler sich hier auf grafische Vorlagen stützte, bleibt offen.
AK: Jakob und Rudolf von Alt, Im Auftrag des Kaisers, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder und Maria Luise Sternath, Bad Vöslau 2010, S. 173, Abb. 95.
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