Vogelschauansicht von Wien
Joseph Daniel von Huber
1769-1773
Im Auftrag Maria Theresias erstellte der Militärkartograf Joseph Daniel von Huber 1769–1773 einen Vogelschauplan von Wien. Von der 42-teiligen lavierten Federzeichnung, die auch die 1850 eingemeindeten Vorstädte bis zum Linienwall (heute 3. bis 9. Bezirk) darstellt, zeigen diese sechs Teile die bereits dicht verbaute Innere Stadt, umgeben von der Ringmauer und dem unverbauten Glacis, der heutigen Ringstraße. Links oben, am damals noch nicht eingewölbten Wienfluss, ist die Karlskirche zu erkennen. Neben der Beschriftung von Straßen, Plätzen und einzelnen Gebäuden enthält der Plan Konskriptionsnummern, die 1770 eingeführte erste moderne Hausnummerierung. Hochpräzise sind alle Gebäude in der sogenannten Militärperspektive in ihren Grundrissen erfasst und dann – quasi mit 3-D-Effekt – in ihrer Höhen proportional nach oben gezogen; sogar die Fassaden sind minutiös wiedergegeben. Das seitlich einfallende Licht wirft Schatten und verleiht allem Plastizität und Atmosphäre. Die Federzeichnung diente als Vorlage für einen 24-teiligen Kupferstich, der 1778 im Druck erschien. Mit ihrem Detailreichtum und Realismus geht sie über eine trockene topografische Erfassung weit hinaus und überliefert ein einzigartiges Bild von der baulichen Situation der auf fast 200.000 Einwohner angewachsenen Stadt Wien im späten 18. Jahrhundert.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/94817/vogelschauansicht-von-wienImage Request