Die Teufelsbrücke in der Schöllenenschlucht auf dem Weg über den Gotthard, mit einem Maultierzug
Peter Birmann
vor 1805
Peter Birmann gehörte zu den erfolgreichsten Vedutenmalern, die um 1800 den wachsenden Schweiz-Tourismus mit einschlägigen Landschaftsansichten versorgten. Bereits seit dem 15. Jahrhundert bot die halsbrecherische Konstruktion der Teufelsbrücke über die reißende Reuss an der legendären Alpenstraße über den St. Gotthard den Reisenden ein beeindruckendes Gebirgserlebnis. Birmann führte danach auch ein repräsentatives Gemälde aus (Stiftung Oskar Reinhart, Winterthur), um 1804/05 erschien außerdem eine gedruckte Fassung in Birmanns eigenem Kunstverlag in Basel.
Die Kunstnachrichten aus der Schweiz vom Jahre 1796 bis 1805 (in: Meusel 1803-08, Bd. 2, 1. Heft, Dresden 1807, S. 70) erwähnen bereits die kleinere Aquatinta von #Franz Hegi nach Birmanns Zeichnung (Darst. 339 x 272 mm; Albertina-Exemplar: Div. Sch., Bd. 51, Bl. 18), die zum Pendant die Wiedergabe des Reichenbachfalls (siehe Kat. Nr. 44) hat. Im Vergleich mit den gezeichneten Papierfassungen, die Zelger/Winterthur 1981, S. 62 aus dem Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel aufzählt, erscheint die Aquatinta Hegis kompositionell als ein Ergebnis zwischen dem vorliegenden Blatt und jenen in Basel, einschließlich der Ölfassung in Winterthur. Sie hat mit der vorliegenden Sepia zwei Details gemein, die diese von allen anderen bekannten Ausführungen unterscheidet: die Felsnase unten im Flußbett und das Fehlen der nachzüglerischen Figuren in der Maultierkarawane auf der Straße rechts am Rand. Mit den wahrscheinlich späteren Fassungen ist die Aquatinta durch den etwas geschlosseneren Ausbau der Felskulisse verbunden: am linken Rand in der Mitte vor der Mauerung des Weges und unten im Vordergrund ist noch je ein Felsriegel eingesetzt und rechts unterhalb des Weges zeigt sich die Wandung der Schlucht stärker abgeschrägt. Außerdem wurde der Baum in der Mitte des Vordergrundes (der auf der Ölfassung ganz fehlt) auf einen Stumpf, der wieder ausgeschlagen hat, reduziert. Nur die große Sepia in Basel (Inv. Bi 368.54) gibt ihn noch weiter verzweigt wieder. Die Merkmale der späteren Wiederholungen zeigt auch die Fassung, die sich 1980 im deutschen Kunsthandel befand (Kat. Galerie Arnoldi-Livie, Nr.12, München 1980, Nr.17, m. Abb.).
zitiert aus: Konrad Oberhuber (Hg.), Maren Gröning, Marie Luise Sternath (Bearb.), Die deutschen und Schweizer Zeichnungen des späten 18. Jahrhunderts, Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Graphischen Sammlung Albertina, Bd. IX, Wien u.a. 1997, S. 30, Nr. 43.
Peter Birmann gehörte zu den erfolgreichsten Vedutisten, die um 1800 den wachsenden Schweiz-Tourismus mit einschlägigen Landschaftsansichten versorgten. Seit 1790 besaß er in Basel einen Kunstverlag, wo zahlreiche Gehilfen, vor allem Kolorierer von Stichvorlagen, unter fast manufakturähnlichen Umständen seiner Produktion zuarbeiteten. Mit großformatigen, perfekt durchgearbeiteten Blättern wie dem vorliegenden kam Birmann außerdem einer sich verbreiternden Schicht von Sammlern entgegen, die das realistische Konzept der Vedute mit einem spezifischen Kunstwert zusammen sehen wollten. Der Beobachtung feinster Tonabstufungen im Anblick einer Landschaft, durch die abstrakt-monochrome Technik der Sepiazeichnung erst recht herausgefordert, verlieh #Caspar David Friedrich schließlich eigene Bedeutung.
Die legendäre Alpenstraße über den St. Gotthard, die vor Andermatt durch die raue Schöllenen, eine von steilen Granitwänden gebildete Felsschlucht führt, durfte im Bildprogramm nicht fehlen. Bereits seit dem 15. Jahrhundert bot die halsbrecherische Konstruktion der Teufelsbrücke über die reißende Reuss den Reisenden ein beeindruckendes Gebirgserlebnis. Um 1800 ging es dann erst recht um den gefährlichen, "erhabenen" Grad der Begegnung mit einer wilden Natur. Daher zeichnete Birmann seinen Entwurf gleich in mehreren Varianten und führte auch ein repräsentatives Gemälde (Oskar Reinhart Stiftung, Winterthur) aus. Um 1804/05 erschien außerdem die gedruckte Fassung in einer Aquatinta von #Franz Hegi mit der Vedute des Reichenbachfalls als Pendant (Inv. 14628).
Maren Gröning, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 161.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/18436/die-teufelsbrucke-in-der-schollenenschlucht-auf-dem-weg-uberImage Request