Tiberlandschaft nördlich von Rom bei düsterem Wolkenhimmel
Claude Gellée gen. Claude Lorrain
Um 1640
Lorrains Œuvre gilt als Inbegriff der klassischen idealen Landschaft. Seine Motive fand er in der römischen Campagna, wo er Natureindrücke in zahlreichen Zeichnungen festhielt. Allerdings geht es weniger um objektive Richtigkeit als darum, die Stimmung der Landschaft einzufangen. Sein besonderes Interesse galt den Lichteffekten, die er mit Lavierungen unterschiedlicher Dichte erzeugte. Wesentliches Gestaltungsmittel ist das Gegenlicht, das die dunkler lavierten Bäume oder Felsformationen hell umrahmt. Die rhythmische Unterbrechung des Lichts durch dunkle Zonen schichtet die Landschaft stufenweise bis in die helle Tiefe und schafft sowohl Raum als auch Atmosphäre. Seine Landschaftszeichnungen dienten Lorrain als Formenrepertoire, das er bei Bedarf versatzstückartig in seine Gemälde, Radierungen oder anderen Zeichnungen integrierte.
Claude Gellée, nach seiner Heimat Lothringen "Le Lorrain" genannt, ging bei seinem Bruder #Jean Gellée, einem Holzschnitzer in Freiburg, in die Lehre. 1613 zog Lorrain nach Rom, von wo er nur noch einmal, 1625/26, in seine Heimat zurückkehrte. #Joachim von Sandrart, sein späterer Biograf, berichtet von zahlreichen gemeinsamen Ausflügen in die römische Campagna, denen sich u. a. auch #Nicolas Poussin und #Pieter van Laer angeschlossen haben, um direkt vor der Natur zu zeichnen und zu malen.
Claude Lorrains Œuvre gilt als Inbegriff der klassischen, idealen Landschaft - als "Lehrschule aller Landschaftsmaler" (Sandrart). Der Künstler fand seine Motive in der römischen Campagna, einer Region, die verschiedenartigste geologische Formationen und unterschiedlichste Vegetationen harmonisch vereint.
Lorrain hielt seine Natureindrücke in zahlreichen Zeichnungen, zumeist mit Pinsel und Feder fest, allerdings nicht unter dem Aspekt der objektiven Richtigkeit einer Vedute, sondern vor allem, um die Stimmung einer Landschaft einzufangen. Sein besonderes Interesse konzentrierte sich dabei auf die verschiedenen Lichteffekte der Tageszeiten, wofür die zwischen 1630 und 1640 entstandenen Zeichnungen der Albertina charakteristische Beispiele sind: Mit sparsamsten Mitteln, sowohl was die Technik als auch was die Darstellung anbelangt, fängt Lorrain den Eindruck von gleißendem Licht und dunklem, kühlem Schatten kongenial ein. Dichtes, mit vielfältigen Federstrichen verstärktes Laubwerk kontrastiert mit offenem Raum. Mit wenigen Linien und substantiell unterschiedlichen Lavierungen werden Felsen, Hügel oder Horizont suggestiv angedeutet. Studien dieser Art dienten Lorrain als vorbereitendes Formenrepertoire, um es bei Bedarf versatzstückartig in seine Gemälde, Radierungen oder gezeichneten Bildfindungen zu integrieren.
Die "Tiberlandschaft" zeigt eindrucksvoll die Möglichkeiten der monochromen Zeichenkunst Lorrains: Kühles Schwarzbraun, warmes Braun sowie das strahlende Weiß des frei gebliebenen Papiergrundes entfalten einen erstaunlichen Reichtum an Nuancen und Schattierungen. Wesentliches Gestaltungsmittel ist die Verwendung des Gegenlichtes, das die dunkler lavierten Bäume oder Felsformationen hell umrahmt. Die rhythmische Unterbrechung des Lichtes durch dunkle Zonen schichtet die Landschaft stufenweise bis in die helle Tiefe und schafft sowohl Raum als auch atmosphärische Stimmung.
vgl. Christine Ekelhart, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 113.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/12839/tiberlandschaft-nordlich-von-rom-bei-dusterem-wolkenhimmelImage Request