Claude Gellée gen. Claude Lorrain, Tiberlandschaft nördlich von Rom bei düsterem Wolkenhimmel, …
Tiberlandschaft nördlich von Rom bei düsterem Wolkenhimmel
Claude Gellée gen. Claude Lorrain, Tiberlandschaft nördlich von Rom bei düsterem Wolkenhimmel, Inv. Nr.: 11513
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Tiberlandschaft nördlich von Rom bei düsterem Wolkenhimmel

Claude Gellée gen. Claude Lorrain

Um 1640




Lorrains Œuvre gilt als Inbegriff der klassischen idealen Landschaft. Seine Motive fand er in der römischen Campagna, wo er Natureindrücke in zahlreichen Zeichnungen festhielt. Allerdings geht es weniger um objektive Richtigkeit als darum, die Stimmung der Landschaft einzufangen. Sein besonderes Interesse galt den Lichteffekten, die er mit Lavierungen unterschiedlicher Dichte erzeugte. Wesentliches Gestaltungsmittel ist das Gegenlicht, das die dunkler lavierten Bäume oder Felsformationen hell umrahmt. Die rhythmische Unterbrechung des Lichts durch dunkle Zonen schichtet die Landschaft stufenweise bis in die helle Tiefe und schafft sowohl Raum als auch Atmosphäre. Seine Landschaftszeichnungen dienten Lorrain als Formenrepertoire, das er bei Bedarf versatzstückartig in seine Gemälde, Radierungen oder anderen Zeichnungen integrierte.



Künstler:in (Chamagne 1600 oder 1604/05 (?) - 1682 Rom)
DateUm 1640
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder, Pinsel, braun laviert
Dimensions19,9 x 26,7 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number11513
InscribedBezeichnet r.u. "Claudio Lorin"; l.u. von Pierre-Jean Mariette: "M. Le Gros ma Envoye de Rome ce dessein en 1719"
Markingsr.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174); r.u. Pierre-Jean Mariette (Lugt 1852); l.u. Graf Moriz von Fries (L 2903)
Text

Claude Gellée, nach seiner Heimat Lothringen "Le Lorrain" genannt, ging bei seinem Bruder #Jean Gellée, einem Holzschnitzer in Freiburg, in die Lehre. 1613 zog Lorrain nach Rom, von wo er nur noch einmal, 1625/26, in seine Heimat zurückkehrte. #Joachim von Sandrart, sein späterer Biograf, berichtet von zahlreichen gemeinsamen Ausflügen in die römische Campagna, denen sich u. a. auch #Nicolas Poussin und #Pieter van Laer angeschlossen haben, um direkt vor der Natur zu zeichnen und zu malen.
Claude Lorrains Œuvre gilt als Inbegriff der klassischen, idealen Landschaft - als "Lehrschule aller Landschaftsmaler" (Sandrart). Der Künstler fand seine Motive in der römischen Campagna, einer Region, die verschiedenartigste geologische Formationen und unterschiedlichste Vegetationen harmonisch vereint.
Lorrain hielt seine Natureindrücke in zahlreichen Zeichnungen, zumeist mit Pinsel und Feder fest, allerdings nicht unter dem Aspekt der objektiven Richtigkeit einer Vedute, sondern vor allem, um die Stimmung einer Landschaft einzufangen. Sein besonderes Interesse konzentrierte sich dabei auf die verschiedenen Lichteffekte der Tageszeiten, wofür die zwischen 1630 und 1640 entstandenen Zeichnungen der Albertina charakteristische Beispiele sind: Mit sparsamsten Mitteln, sowohl was die Technik als auch was die Darstellung anbelangt, fängt Lorrain den Eindruck von gleißendem Licht und dunklem, kühlem Schatten kongenial ein. Dichtes, mit vielfältigen Federstrichen verstärktes Laubwerk kontrastiert mit offenem Raum. Mit wenigen Linien und substantiell unterschiedlichen Lavierungen werden Felsen, Hügel oder Horizont suggestiv angedeutet. Studien dieser Art dienten Lorrain als vorbereitendes Formenrepertoire, um es bei Bedarf versatzstückartig in seine Gemälde, Radierungen oder gezeichneten Bildfindungen zu integrieren.
Die "Tiberlandschaft" zeigt eindrucksvoll die Möglichkeiten der monochromen Zeichenkunst Lorrains: Kühles Schwarzbraun, warmes Braun sowie das strahlende Weiß des frei gebliebenen Papiergrundes entfalten einen erstaunlichen Reichtum an Nuancen und Schattierungen. Wesentliches Gestaltungsmittel ist die Verwendung des Gegenlichtes, das die dunkler lavierten Bäume oder Felsformationen hell umrahmt. Die rhythmische Unterbrechung des Lichtes durch dunkle Zonen schichtet die Landschaft stufenweise bis in die helle Tiefe und schafft sowohl Raum als auch atmosphärische Stimmung.

vgl. Christine Ekelhart, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 113.

Catalogue raisonné
  • Knab/Widauer 1993, 251
  • Bibliography
  • Marcel Roethlisberger, Claude Lorrain. The Drawings, 1968, D 279
  • Eckhart Knab/Heinz Widauer, Die französischen Zeichnungen der Albertina. Von Clouet bis Le Brun, Wien 1993, F. 251, AK Albertina/Washington/New York/Wien 1984-1986, Nr. 67
  • Schröder 2008, Nr. 113 (C. Ekelhart)
  • Albertina, Rubens bis Rembrandt, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb. 15
  • David Klemm/Andreas Stolzenburg (Hg.), Das Licht der Campagna. Die Zeichnungen Claude Lorrains aus dem British Museum London (Ausst. Kat. Hamburger Kunsthalle 2017), Petersberg 2017, S. 40, Abb. 19
  • Provenance
  • Pierre-Jean Mariette
  • Graf Moriz von Fries
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/12839/tiberlandschaft-nordlich-von-rom-bei-dusterem-wolkenhimmelImage Request
    Last edited30.04.2021

    Claude Gellée gen. Claude Lorrain, Tiberlandschaft mit der Engelsburg im Hintergrund, Inv. Nr.:…
    Claude Gellée gen. Claude Lorrain
    zwischen 1630 und 1640
    Claude Gellée gen. Claude Lorrain, Erminia bei den Hirten, Inv. Nr.: 11506
    Claude Gellée gen. Claude Lorrain
    1677
    Claude Gellée gen. Claude Lorrain, Ländliches Fest (Die Hochzeit von Isaak und Rebekka ?), Inv.…
    Claude Gellée gen. Claude Lorrain
    1660-63
    Claude Gellée gen. Claude Lorrain, Boschetto mit Felsen im Mittagslicht, Inv. Nr.: 11531
    Claude Gellée gen. Claude Lorrain
    1635-37
    Ponte Molle, Inv. Nr.: 11526
    Claude Gellée gen. Claude Lorrain
    Gebirgslandschaft mit zwei Fischern, Inv. Nr.: 11524
    Claude Gellée gen. Claude Lorrain
    Claude Gellée gen. Claude Lorrain, Weidelandschaft mit Kastell, Inv. Nr.: 11536
    Claude Gellée gen. Claude Lorrain
    um 1670
    Claude Gellée gen. Claude Lorrain, Hirtenlandschaft, Inv. Nr.: 11533
    Claude Gellée gen. Claude Lorrain