Die List des Amor
Hans Veit Friedrich Schnorr von Carolsfeld
1793
Parklandschaft, in der eine von Zeichenutensilien umgebene, antik gewandete und mit einem Lorbeerkranz geschmückte Frau sitzt und tröstend die Arme nach Amor ausstreckt, welcher weinend ihr gegenübersteht; zwei Amoretten blicken, mit dem Bogen Amors in der Hand, lachend aus dem Gebüsch, während von zwei anderen, hinter der Frau herbeifliegenden, die eine ein Schleiertuch bringt. - Die Ikonographie der vorliegenden Darstellung konnte nicht genau bestimmt werden. Der Bezeichnung nach scheint sie sich auf einen Text des römischen Lustspieldichters #Terenz zu beziehen, doch war eine Stelle mit dem zitierten Wortlaut nicht auffindbar. Eine Textpassage, die am ehesten vergleichbar wäre, ist vielleicht mit der ersten Szene des Stückes Der Eunuch anzusprechen. Hier räsoniert der Sklave Parmeno des längeren über die Unberechenbarkeit der Liebe: "In amore haec omnia insunt vitiae: iniuriae, suspitiones, inimicitiae, indutiae, bellum, pax rursum" (Vers 51-61; "Die Liebe tappt von Fehler zu Fehler: sie schmäht, und kränkt, vergeht vor Eifersucht, schließt Waffenstillstand, um ihn bald zu brechen, und stürmt durch neuen Krieg zu neuem Frieden." - Übersetzung von A. Thierfelder, Stuttgart 1961). - Eine eigenhändige Radierung auf braunem Papier (ohne Schrift) gibt die Darstellung leicht variiert wieder: ohne Sonnensegel, Amor nackt, der Brunnen links fehlt, die beiden Amoretten links anders gestellt, die eine blickt nicht zu Amor hin (Albertina-Exemplar: AAD, Bd. 93b, Bl. 128; vgl. dazu die Notiz im Verzeichnis von Schnorrs Radierungen bei Nagler, Bd. 15, 1845, S. 403, Nr. 12: "Die List des Amor, dabei Venus, die ihn tröstet: Ah! je me suis confoncé une épine dans la main. Auf landschaftlichem Grunde. Eines der Hauptblätter des Meisters, kl. qu. fol. - Es gibt Abdrücke auf braunes Papier.").
zitiert aus: Konrad Oberhuber (Hg.), Maren Gröning, Marie Luise Sternath (Bearb.), Die deutschen und Schweizer Zeichnungen des späten 18. Jahrhunderts, Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Graphischen Sammlung Albertina, Bd. IX, Wien u.a. 1997, S. 226, Nr. 752.
