Kopie nach Adam Friedrich Oeser: Allegorische Darstellung für den Vorhang des Theaters in Leipzig
Hans Veit Friedrich Schnorr von Carolsfeld
1790-99
Das vorliegende Blatt wurde vermutlich deshalb, weil es um 1820 noch als Zimmerschmuck diente, nach der Abnahme irrtümlich unter dem Namen von #Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld archiviert. Es handelt sich aber um die in den alten Dokumentationsunterlagen der Albertina erwähnte Aquarellkopie Hans Veit Schnorrs nach der von #A. Fr. Oeser geschaffenen Darstellung für den Vorhang des Leipziger Theaters (vgl. Dürr 1879, S. 148ff.). Oesers Theatervorhang ist schon 1799 durch einen neuen, und zwar gerade von Schnorr entworfenen Vorhang ersetzt worden (vgl. Geyser 1857, S. 148f.). Schnorrs Aquarellkopie könnte gleichfalls gegen 1799 (jedenfalls aber nach 1790, als Schnorr nach Leipzig zurückkehrte) als Bilddokument des alten Oeserschen Entwurfs entstanden sein. Weitere Aquarellkopien anderer Künstler findet man in der Literatur erwähnt (Thieme/Becker, XXX, S. 206; Dürr 1879, Abb. S. 151; Feuchtmayr 1975, Z 189). Eine kurze Charakteristik des allegorischen Programms der Darstellung gibt die bekannte Textpassage in #J. W. Goethes Dichtung und Wahrheit, 8. Buch: "Oeser hatte die Musen aus den Wolken, auf denen sie bei solchen Gelegenheiten gewöhnlich schweben, auf die Erde versetzt. Einen Vorhof zum Tempel des Ruhms schmückten die Statuen des Sophokles und Aristophanes, um welche sich alle neueren Schauspieldichter versammelten. Hier nun waren die Göttinnen der Künste gleichfalls gegenwärtig und alles würdig und schön. Nun aber kommt das Wunderliche! Durch die freie Mitte sah man das Portal des fernstehenden Tempels, und ein Mann in leichter Jacke ging zwischen beiden obgedachten Gruppen, ohne sich um sie zu bekümmern, hindurch, gerade auf den Tempel los; man sah ihn daher im Rücken, er war nicht besonders ausgezeichnet. Dieser nun sollte Shakespearen bedeuten, der ohne Vorgänger und Nachfolger, ohne sich um die Muster zu bekümmern, auf seine eigene Hand der Unsterblichkeit entgegengehe." (Goethes Werke. Hamburger Ausgabe, 8. Aufl., Bd. 9, München 1978, S. 311). Eine ausführlichere Erklärung von einem zeitgenössischen Verfasser wird von Dürr 1879, S. 149-152 zitiert.
zitiert aus: Konrad Oberhuber (Hg.), Maren Gröning, Marie Luise Sternath (Bearb.), Die deutschen und Schweizer Zeichnungen des späten 18. Jahrhunderts, Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Graphischen Sammlung Albertina, Bd. IX, Wien u.a. 1997, S. 227, Nr. 755.
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