Maria Lassnig, Kopf, Inv. Nr.: 35162
Kopf
Maria Lassnig, Kopf, Inv. Nr.: 35162
Credit: ALBERTINA, Wien. Leihgabe Artothek des Bundes Image: ALBERTINA, Wien Copyright: © Maria Lassnig Stiftung / Bildrecht, Wien 2025

Kopf

Maria Lassnig

1963




Künstler:in (Kappel am Krappfeld 1919 - 2014 Wien)
Date1963
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesAquarell
Dimensions29,8 x 41,7 cm
CreditALBERTINA, Wien. Leihgabe Artothek des Bundes
Object number35162
Signedl.u. mit rosafarbenem Stift "M. Lassnig 1963"
Text

Die österreichische Künstlerin Maria Lassnig war eine der ersten Frauen, die sich in ihrem Werk intensiv dem Körperlichen zuwandte. Durch ihre Konzeption des "Body Awareness Painting" - der Übersetzung von körperlichem Empfinden mittels eines langsamen, introspektiven Malaktes auf die Bildoberfläche - nimmt sie eine Schlüsselposition für die nachfolgende Künstlerinnengeneration ein. Das Aquarell bietet Lassnig die Möglichkeit, in kleinem Format Neues zu erproben und auf seine Bildwirksamkeit zu prüfen (AK Bern u.a. 1995, S. 12). Gleichzeitig behaupten sich Lassnigs Aquarelle aber als eigenständige Werkkonzeptionen, die eine Funktion als Vorstudien für Gemälde weit hinter sich zurücklassen.
Das Blatt mit dem Titel "Kopf" entstand 1963, zwei Jahre nach Lassnigs Übersiedlung von Wien nach Paris. Das in kräftigen Rot-, Rosa- und Violetttönen gehaltene Motiv stellt die Kopfform eines hybriden Mischwesens dar. Die befremdlich wirkende Physiognomie legt sich nicht zwischen Mensch, Tier und künstlichem Wesen fest. Die exakt gesetzten Pinselstriche und klaren Umrisslinien weisen darauf hin, dass die Künstlerin bereits ein vorgeformtes Bild vor Augen hat, bevor sie zu dessen Umsetzung schreitet. Aus wenigen, unterschiedlich stark schattierten Flächen baut Lassnig ein plastisches Gebilde, das beinahe die Grenzen des Blattes zu sprengen droht. Durch die Wiedergabe in markanter Untersicht wird zusätzlich die Monumentalität des Kopfes erhöht. Lassnig verzichtet auf alle veränderlichen physiognomischen Kennzeichen, wie etwa Haare, Augenbrauen oder Hautstruktur, um gleichsam eine Schicht tiefer in die Körperwahrnehmung vorzudringen. Der Kopf weist außer den Nasenlöchern keine Körperöffnungen auf, vor allem verschließen sich aber die Augen gegenüber jeder außerbildlichen Realität. "Kopf" von 1963 gehört zu jener Gruppe von Werken, in denen Lassnig erstmals eine Synthese von gefühlter Selbstwahrnehmung mit einem der äußeren Wirklichkeit entlehntem Formenvokabular vorführt. Trotz der realistischen Anklänge verschreibt sich Lassnig ganz einer Thematisierung der Innenwelt.

vgl. Christina Natlacen, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 265.



Bibliography
  • Dossi 1999, Tf. 81
  • Schröder 2008, Nr. 265 (C. Natlacen)
  • AK Köln 2009, Museum Ludwig Köln, Maria Lassnig, Abb.S. 86
  • AK: Maria Lassnig Zwiegespräche, hrsg. von Antonia Hoerschelmann und Anita Haldemann, München: Hirmer 2017, S.90
  • Julia Friedrich, Maria Lassnig: Im Möglichkeitsspiegel. Aquarelle und Zeichnungen von 1947 bis heute, Ostfildern: Hatje Cantz 2009, S.86
  • Albertina: Pollock bis Baselitz, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb.45

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/2181/kopfImage Request
    Last edited24.04.2025

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