Raymond Lafage, Entwurf zu einem Prunkteller, Inv. Nr.: 17408
Entwurf zu einem Prunkteller
Raymond Lafage, Entwurf zu einem Prunkteller, Inv. Nr.: 17408
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Entwurf zu einem Prunkteller

Raymond Lafage




Künstler:in (Isle-sur-Tarn 1656 - 1690 Lyon)
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Braun, blaugrau laviert, Vorzeichnung in schwarzer Kreide
Dimensions75,6 x 73 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number17408
MarkingsM.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Dieser sehr repräsentative Entwurf Lafages, der wahrscheinlich für einen Prunkteller gedacht war, blieb vermutlich aufgrund seines übergroßen Formates von der bisherigen Forschung unentdeckt. Alle fünf Detailszenen beruhen auf alttestamentarischen Begebenheiten: Die zentrale Hauptdarstellung "Melchisedech überreicht dem aus der Schlacht zurückkehrenden Abraham Brot und Wein" hat I.Moses 14, 18-20 zur Textgrundlage; die Szenen in der Randzone stellen folgende Szenen dar: oben: "Abraham und die drei Engel, von Sarah belauscht" (I. Mose 18,1-5), unten: "Die Opferung Isaaks" (Genesis 22, 1-19), rechts: eine Frau mit zwei Kindern und einem Mann (nicht identifiziert), links: eine unter einem Baum liegende Frau mit Kleinkind wird von einem Engel aufgesucht (nicht identifiziert). Die einzelnen Szenen der Randzone werden durch verschiedene Figuren (Bacchus, Fortuna mit Füllhorn, Ceres mit Getreidegarben, Prophet oder Hohepriester) miteinander verbunden. Die Tatsache, daß sich diese Figuren thematisch nur schwer miteinander in Einklang bringen lassen, läßt auf einen noch nicht endgültig entschiedenen Dekor in der Randzone schließen, der möglicherweise einen Jahreszeitenzyklus oder ein Tugendprogramm vorsah. Stilistisch läßt sich das Blatt mit einer weiteren Zeichnung Lafages in der Albertina vergleichen (F 953/Inv. 15241), die wir in die Spätzeit des Künstlers, in die zeitliche Nähe von Lafages Entwürfen zur Tektosagenlegende im Rathaus von Toulouse 1683/84, datiert haben. Ein nicht ganz so großes Blatt im Musée Atger in Montpellier (Inv.Nr. MA 224), in dem Mesuret (1962, Nr. 22) einen Entwurf zu einem Plafond und Jean-Claude Boyer (Paris 1993[1], p. 306, Nr. 160) die Vorzeichnung zu einem Prunkgefäß sieht, scheint uns auffassungsmäßig fortschrittlicher als die vorliegende Zeichnung der Albertina. Während Lafage auf dem Blatt in Montpellier die Randzone mit dem durchgehenden Fries einer dynamisch bewegten Schlachtenszene gestaltet hat, erinnert das mit in sich geschlossenen Einzelszenen vorgesehene Dekorationssystem des Albertina-Entwurfes an Werke des 16. Jahrhunderts, z.B. an Zeichnungen und Kupferstiche Etienne Delaunes.




Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Heinz Widauer (Bearb.), Die französischen Zeichnungen der Albertina. Vom Barock bis zum beginnenden Rokoko. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. X, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 186, Nr. 954.




Catalogue raisonné
  • Widauer 2004, F 954
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/22516/entwurf-zu-einem-prunktellerImage Request
    Last edited24.08.2012