Drei musizierende Figuren
Francesco di Marco di Giacomo Raibolini, gen. Francesco Francia
um 1500-1504
Künstler:in
Francesco di Marco di Giacomo Raibolini, gen. Francesco Francia
(Bologna um 1450 - 1517 Bologna)
Dateum 1500-1504
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder und Pinselspitze in Braun, auf Pergament
Dimensions22,8 x 22,7 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number2582
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
TextFrancesco Francia, der bedeutendste Bologneser Künstler des ausgehenden 15. Jahrhunderts hat nahezu ausschließlich religiösen Themen und Porträts gemalt. Man hat daher zu Recht darauf hingewiesen, dass ihm Zeichnungen wie diese Gelegenheit gaben, sich mit antikischen Themen auseinanderzusetzen, die andere Künstler und der Kreis humanistisch gebildeter und an Musik interessierter Gelehrter Bolognas in dieser Zeit beschäftigten (Koschatzky/Oberhuber/Knab 1971, Nr. 22; Faietti 1988). Die detaillierte Durchführung und die Verwendung des kostbaren Pergaments verleihen dem Blatt einen eigenständigen, bildwürdigen Wert. Die Proportionen und Anordnung dieser drei musizierenden Figuren, die auf einer schmalen Raumbühne stehen und sich zugleich reliefartig von dem verschatteten Hintergrund ablösen sind gewiss von antiken Vorbildern angeregt. Sie zeichnen sich jedoch nicht plastisch-skulptural, sondern silhouettenartig ab, da Francia den Körpern durch eine subtile Modellierung weiche und runde Formen gibt, sie mit hellem Licht zart umhüllt und mit einem fließenden Umriss umgibt. Während sich der mittlere Bläser mit dem überlängten Aulos und die rechte Gestalt mit krummem Kornett einander zuwenden und durch den dreiecksförmigen Schatten aus dichten parallelen Lagen und Kreuzschraffuren aneinander gebunden werden, blickt allein die Schalmei blasende Frauengestalt den Betrachter an. Aufgrund der lockeren und häufig die Richtung wechselnden Strichlagen vermögen sich deren Bewegungen freier im Räumlichen zu entfalten und die schönen Formen ihres sich unter dem transparenten Gewand abzeichnenden Körpers bereichern die poesievolle arkadische Stimmung der Darstellung um einen leichten sinnlich-erotischen Klang.
Die sorgfältige und feinteilige Zeichenweise, die Francias Tätigkeit als Goldschmied und Stecher in Erinnerung ruft, war von größtem Einfluss auf seinen berühmtesten Schüler, den Kupferstecher #Marcantonio Raimondi. In Marcantons frühen Zeichnungen wie "Die Frau auf dem Einhorn" (Bayonne, Musée Bonnat), "Leda und der Schwan" (London, British Museum) und "Romulus und Remus" (Florenz, Uffizien) sind eine entsprechende detaillierte Federtechnik und plastisch klare und vereinfachte Körpergestaltung all´antica bis hin zu der nach oben hin gerundeten Verschattung des Hintergrundes festzustellen (AK Bologna/Albertina 1988, S. 65, Abb. 7, Nr. 44-45). Auch die Kupferstiche aus der Zeit um 1500-1504 zeigen größte Nähe zu dem Stil von Francias Zeichnung, und so erinnert die Schalmeibläserin an die Frauengestalt in Marcantons "Allegorie der Zeit" oder an die beiden "Heiligen Katharina von Alexandrien und Lucia". Selbst das Pflänzchen kehrt ähnlich in dem Stich mit dem "Heiligen Sebastian" wieder (AK Bologna/Albertina 1988, S. 57, Abb. 2, Nr. 3, 10). K. Oberhuber und M. Faietti haben die Zeichnung der Albertina in die ersten Jahre des 16. Jahrhunderts datiert, was durch die Nähe des Figurenstils zu der schlanken, grazilen und zugleich sanft bewegten Madonna in Francias "Verkündigung" in der Brera in Mailand oder zu der heiligen Katharina von Alexandrien in der 1504 datierten "Madonna in der Glorie" in Berlin bestätigt wird (Lipparini 1913, Abb. S. 63, 65).
Die sorgfältige und feinteilige Zeichenweise, die Francias Tätigkeit als Goldschmied und Stecher in Erinnerung ruft, war von größtem Einfluss auf seinen berühmtesten Schüler, den Kupferstecher #Marcantonio Raimondi. In Marcantons frühen Zeichnungen wie "Die Frau auf dem Einhorn" (Bayonne, Musée Bonnat), "Leda und der Schwan" (London, British Museum) und "Romulus und Remus" (Florenz, Uffizien) sind eine entsprechende detaillierte Federtechnik und plastisch klare und vereinfachte Körpergestaltung all´antica bis hin zu der nach oben hin gerundeten Verschattung des Hintergrundes festzustellen (AK Bologna/Albertina 1988, S. 65, Abb. 7, Nr. 44-45). Auch die Kupferstiche aus der Zeit um 1500-1504 zeigen größte Nähe zu dem Stil von Francias Zeichnung, und so erinnert die Schalmeibläserin an die Frauengestalt in Marcantons "Allegorie der Zeit" oder an die beiden "Heiligen Katharina von Alexandrien und Lucia". Selbst das Pflänzchen kehrt ähnlich in dem Stich mit dem "Heiligen Sebastian" wieder (AK Bologna/Albertina 1988, S. 57, Abb. 2, Nr. 3, 10). K. Oberhuber und M. Faietti haben die Zeichnung der Albertina in die ersten Jahre des 16. Jahrhunderts datiert, was durch die Nähe des Figurenstils zu der schlanken, grazilen und zugleich sanft bewegten Madonna in Francias "Verkündigung" in der Brera in Mailand oder zu der heiligen Katharina von Alexandrien in der 1504 datierten "Madonna in der Glorie" in Berlin bestätigt wird (Lipparini 1913, Abb. S. 63, 65).
zum Stempel/Zeichen
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/25125/drei-musizierende-figurenImage RequestLast edited24.05.2013