Mädchen vor dem Spiegel (Neumann - Mappe Blatt 6)
Karl Schmidt-Rottluff
1914
Platte (Fichte ): 50 x 40 cm
Schmidt-Rottluff soll den als Blatt 6 in die sogenannte Neumann Mappe integrierten Holzschnitt besonders geschätzt haben, auch weil er das Bildmotiv für ein Gemälde 1915 wiederverwendete (H. Spielmann in: Gerlinger 2005 p. 70-71; s. Grohmann 1956, Abb. p. 260). Wie schon in dem 1913 entstandenen Holzschnitt Frau mit aufgelöstem Haar (Albertina Inv. DG1969/64) sind Anregungen der afrikanischen Skulptur und der kubistischen Mehransichtigkeit mit der Fähigkeit des Künstlers verschmolzen, trotz der vereinfachenden Stilisierung der weiblichen Anatomie die Plastizität körperlicher Formen und die Komplexität räumlicher Beziehungen zum Ausdruck zu bringen. Obwohl hier typische Requisiten der Atelierzeichnungen aus der Blütezeit des Brücke-Stils - Aktmodell mit „Tub“- Verwendung finden, ergibt sich aus der orthogonalen Disposition der Bildgegenstände und der abrupten Handhabung der Veränderung des Modells im Spiegelbild, dass Körper, Raum und Bewegung in Hinblick auf eine neue Ästhetik Thema sind.
Expressiv! Die Künstler der Brücke. Die Sammlung Hermann Gerlinger, Albertina Wien, München (Hirmer) 2007 Nr. 40, S. 76.
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