Max Kahrer im Profil
Egon Schiele
1910
Im Jahr 1910 zeichnete und malte Schiele Porträts vor allem von befreundeten Künstlern: #Max Oppenheimer, #Dom Osen, seinem zukünftigen Schwager #Anton Peschka und dem als „noblen Freund“ titulierten ehemaligen Zeichenlehrer in Klosterneuburg, #Max Kahrer. Von den verschiedenen #Max Kahrer-Porträtzeichnungen haben sich zwei Werke in der Albertina erhalten (siehe auch Inv. 31176).
#Max Kahrer wird 1878 in Temesvar in Rumänien geboren. Er studiert an der Wiener Akademie und in München. In Klosterneuburg gründet #Max Kahrer, der sich hauptsächlich als Landschaftsmaler betätigt, eine Künstlervereinigung, wo er auch den Gymnasiasten Egon Schiele kennen lernt. Er wird dessen väterlichen Freund und früher Förderer. Schiele beteiligt sich 1908 an der Ausstellung des Verbandes heimischer Künstler in Klosterneuburg. 1937 stirbt #Max Kahrer in Klosterneuburg.
Schiele experimentiert auch im Porträt – pro Auftrag fertigt er bis an sein Lebensende durchschnittlich drei Zeichnungen an, von denen er ein bis zwei nachträglich koloriert – mit verschiedenen Ansichten und Körperhaltungen, die allesamt von den traditionellen Porträtformeln abweichen: eher einem modernen Fotografen ähnlich, der in kurzer Abfolge höchst verschiedene Stellungen des Modells probiert.
Die menschliche Charakterisierungskunst Schieles ist in dieser Phase am künstlerischen Höhepunkt angelangt. Mit äußerster Ökonomie im Einsatz der zeichnerischen Mittel wird die Müdigkeit des ärmlichen Malers in der Gouache im runden Rücken und dem vorstehenden Kopf verdeutlicht. Wenige Bleistiftstriche akzentuieren Mund und Augen und verlebendigen so den Dargestellten. Während in der Bleistiftzeichnung die Linien die Gegenstände mimetisch bezeichnen und gleichzeitig einem abstrakt-geometrischen Konstruktionsgerüst mit großer Folgerichtigkeit folgen, ist das gesamte Gewand in der Gouache durch die Farbschlingen der Pinselführung zu einer in sich zwar differenzierten, aber äußerlich kompakten Farbmasse vereinheitlicht.
Die linke, leere Blatthälfte wird psychologisch vom Sehfeld und der Reichweite der Arme von Max Kahrer bestimmt.
Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 91-92.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/3021/max-kahrer-im-profilImage Request