Egon Schiele, Liegender Frauenakt, Inv. Nr.: 29981
Liegender Frauenakt
Egon Schiele, Liegender Frauenakt, Inv. Nr.: 29981
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Liegender Frauenakt

Egon Schiele

1908




Der Liegende Frauenakt von 1908 ist vermutlich im Aktzeichensaal der Wiener Akademie entstanden. Dennoch ist in ihm bereits die Abwendung Schieles vom akademischen Zeichenstil seines Lehrers, Prof. Christian Griepenkerl, sichtbar: Er verzichtet auf eine innerfigürliche Modellierung und Detaillierung und betont vielmehr die dekorativ-ornamentale Linie. Schiele setzt sich damals intensiv mit der Kunst des Secessionismus auseinander und verwendet in dieser Zeichnung konsequent das Prinzip der schönlinigen Umrisszeichnung.


Künstler:in (Tulln 1890 - 1918 Wien)
Date1908
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesBleistift, Kreide, auf blaugrauem Papier
Dimensions22,1 x 36,4 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number29981
Signedl.u. "SCHIELE / 08."
Text

Auch wenn man davon ausgehen kann, dass der "Liegende Frauenakt" der Albertina im Aktsaal der Akademie entstanden sein wird, ist dennoch Schieles Abwendung vom akademischen Zeichenstil seines Lehrers, #Prof. Christian Griepenkerl, evident.
Nicht die Tatsache der idealisierenden Linienführung an sich ist es, die Schieles Blatt von der doch wesentlich realistischeren Auffassung des dem Historismus verpflichteten Lehrers trennt. Im Gegenteil, mit seiner Präferenz der Linie bereitete Griepenkerl seinem Schüler gewiss keine Schwierigkeiten. Doch erweist sich Egon Schiele mit der in einem einzigen Fluss sanft schwingenden Linie, die auf innerfigürliche Modellierung und Detaillierung völlig verzichtet, als strikter Parteigänger des melodischen Prinzips der secessionistischen Kurvilinearität.
Schieles Verständnis für die dekorativ-ornamentale Linie wird in dieser Zeichnung von der anmutigen Haltung der halb liegenden Frau gleichsam motivisch legitimiert. Von der großen Kontur bis zum kleinen Schwung der einem Kreissegment folgenden Linie der Zehen reicht Schieles konsequente Anwendung der Prinzipien einer schönlinigen Umrisszeichnung. Selbst die uniforme Kolorierung der Haare respektiert das Diktat der Kurvilinearität und widerstandslos dahinströmenden Rhythmik.
Wie ein Ausfluss dieser idealen Figurenauffassung des weiblichen Aktes schreibt sich die ebenso rund geschwungene Signatur und Datierung Schieles in die aktivierte Negativform des leeren Polsters ein.
Diese Zeichnung zählt zu den frühesten Dokumenten von Schieles Auseinandersetzung mit dem nackten weiblichen Körper: Doch mehr als die Interpretation der Erotik und Sexualität der Frau interessiert Egon Schiele hier die abstrakte Dekoration.

Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 49.

Catalogue raisonné
  • Kallir Drawings 1990/1998, 206
  • Bibliography
  • AK Linz 1949, Nr. 10
  • AK Albertina 1990, Nr. 14
  • Kallir 2003, S. 53
  • Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, Nr. 5
  • Klaus Albrecht Schröder, in: Museo Guggenheim Bilbao (Hg.), Egon Schiele. Obras del Albertina Museum, Viena, (Kat. Ausst., Museo Guggenheim Bilbao, Bilbao 2012/2013), Bilbao 2012, S. 30-31 (in spanischer Sprache)
  • Provenance
  • Sammlung Hans Ankwicz-Kleehoven (1883-1962), Wien
  • 1943 erworben von Hans Ankwicz-Kleehoven, Wien

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    Last edited11.03.2026