Liegender Frauenakt
Henri Matisse
um 1913/14
Mit sicher geführten Strichen und fast ausschließlicher Konzentration auf die Umrisslinie deutet Matisse den liegenden weiblichen Rückenakt an. Formelhafte Reduktion und schwingender Rhythmus des Strichs erinnern an die Zeichenkunst #Ingres´, den Matisse sehr bewundert hat. Seinem Vorbild vergleichbar, verzichtet er auf individuelle Details und beschränkt sich auf klare, einfache Formen. Die in sanften Kurven geführte Umrisslinie suggeriert Sinnlichkeit und verwandelt die Darstellung zugleich in eine elegant gewundene Arabeske. Matisse stilisiert den weiblichen Körper in kühner Vereinfachung zu dekorativer Abstraktion und zeitloser Gültigkeit.
Die Zeichnung weist stilistische Ähnlichkeiten wie in der blumenförmig gestalteten Brustwarze, der dekorativen, blattförmig gefiedert wirkenden Hand oder der kürzelhaften Andeutung von Kopf und Gesicht zu Lithografien von 1913/14 auf wie z.B. dem "Stehenden weiblichen Akt in Dreiviertelansicht" (Duthuit-Matisse/Duthuit 1983, II, Nr. 409, Taf. 15). Eine zeitliche Einordnung in etwa diese Jahre scheint daher naheliegend.
Die Stellung des liegenden Albertina-Aktes ist für Matisse charakteristisch, da das Motiv mit einem über dem Kopf erhobenen und einem abgewinkelt liegenden Arm sowie einem aufgestellten Bein in kleinen Variationen in seinem Werk häufig zu finden ist, darunter z.B. die Plastik "Liegender Akt" (Bronze; AK Paris 1989 a, Nr. 118) von 1907 oder "Rosa Akt" (Baltimore, Museum of Art; Barr 1951, S. 473) von 1935.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 490, Nr. 224.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/34007/liegender-frauenaktImage Request