Pierre Bonnard, Grauer Akt im Profil, Inv. Nr.: GE16DL
Grauer Akt im Profil
Pierre Bonnard, Grauer Akt im Profil, Inv. Nr.: GE16DL
Credit: ALBERTINA, Wien - Sammlung Batliner Image: ALBERTINA, Wien Copyright: Gemeinfrei

Grauer Akt im Profil

Pierre Bonnard

um 1933




Bonnard gehört mit Maurice Denis und Édouard Vuillard zur Künstlergruppe der Nabis, deren stilistische Voraussetzungen sowohl auf den koloristischen Erfahrungen des Impressionismus als auch auf den ästhetischen Vorstellungen des Symbolismus basieren.

Bonnards Landschaften und Akte zeichnen sich durch eine leuchtende Farbigkeit aus. Sein bevorzugtes Modell ist seine Ehefrau Marthe. Obwohl sie über 40 Jahre miteinander leben, stellt er sie stets so dar, wie er sie 1893, im Alter von 24 Jahren, kennengelernt hat. Nach ihrem Tod 1942 bezieht Bonnard seine Anregungen nur noch aus der Natur und malt fast ausschließlich Landschaften und Stillleben.



Together with Maurice Denis and Édouard Vuillard, Bonnard was a member of the Nabis group of painters, whose stylistic orientation was based on both Impressionism’s colouristic experience and Symbolism’s aesthetic ideas.

Bonnard’s landscapes and nudes stand out for their brilliant colours. His preferred model was his wife, Marthe. Although they had lived together for more than forty years, he still depicted her the way she had looked in 1893, at the age of 24, when he first met her. After her death in 1942, Bonnard drew his inspirations but from nature and limited himself almost exclusively to landscapes and still lifes.



Künstler:in (Fontenay-aux-Roses 1867 - 1947 Le Cannet)
Dateum 1933
Object TypeGemälde
Object typePainting
Materials / TechniquesÖl auf Leinwand
Dimensions114 × 61 cm
Rahmenaußenmaß (DLR-GE16DL): 136,5 × 84,2 × 6,5 cm
CreditALBERTINA, Wien - Sammlung Batliner
Object numberGE16DL
SignedBez. r. u. "Bonnard"
Markingsr.u. Nachlassstempel
Text

Zu den wichtigsten Themen in Bonnards Spätwerk zählt der weibliche Akt. Wenn er eine nackte Frau malte, stellte er sie so dar, als habe er sie klammheimlich bei einer intimen Tätigkeit beobachtet: dabei standen die einfachsten alltäglichen Rituale der Körperpflege im Mittelpunkt des Interesses. Fast immer handelt es sich bei den dargestellten Figuren um seine Frau Marthe, die unter einem krankhaften Waschzwang litt. Beim Malen dieser Bilder mag er sich an Degas oder Toulouse-Lautrec orientiert haben, zwei anderen großen Schilderern des intimen Frauenlebens. Reizte Letztere an dieser Thematik aber mehr die sinnliche Pose, so erfährt das Motiv der Körperpflege bei Bonnard geradezu eine Überhöhung ins Geistige. In Auseinandersetzung mit der krankhaften Obsession seiner Frau wurde für ihn die banale tägliche Prozedur zum Symbol des unwiderstehlichen seelischen Dranges, rein zu werden.
In diesem Sinne kann auch das vorliegende Kniestück eines Aktes in Profil verstanden werden, der offenbar auf eine Skizze auf der Seite eines Abreißkalenders zurück
geht. In einem von der Morgensonne beschienenen Badezimmer mit Wanne, Tischchen und Hocker erblickt man eine schlanke, flachbrüstige Frau, die sich die Haare wäscht. Meisterhaft gelingt es Bonnard, ihre Haut zum Leuchten zu bringen. Wunderbar, wie Perlmutt schimmern das lichte Graublau und das leuchtende Orange der Umgebung auf dem Körper der Frau.
Dass
die Figur auf diesem Bild stark an Auguste Rodins berühmte Plastik Das eherne Zeitalter erinnert, ist möglicherweise kein Zufall1.  Vielleicht wollte Bonnard ganz bewusst andeuten, dass die Kämpfe, die seine Frau aufgrund ihres zwanghaften Verhaltens mit sich auszutragen hatte, den inneren Konflikten von Rodins verzweifeltem Jüngling sehr ähnlich waren.

 1 Vgl. Ausst. -Kat. Bonnard, Tate Gallery, London/The Museum of Modern Art, New York 1998, Kommentar zu Bild Nr. 74 .

zitiert aus: R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 52, Nr. 15.

Catalogue raisonné
  • Dauberville, Vol. III, Nr. 1548
  • Bibliography
  • Couleur de Bonnard, in: Verve, Band V, 1947, Nr. 17 und 18
  • Jean und Henri Dauberville, Bonnard, catalogue raisonné de l´œuvre peint, Band III, Paris 1973, Nr. 1548
  • R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 52, Nr. 15, Abb. S. 53
  • Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Monet bis Picasso. Die Sammlung Batliner, Albertina, Wien 2007/2008, S. 85, Kat. 41
  • Ausstellungen (laut Koella/Billeter): XXV. Biennale, Venedig 1950, Nr. 20
  • Pierre Bonnard, Royal Academy of Arts, London 1966, Nr. 115
  • Pierre Bonnard, Haus der Kunst, München 1966/1967, Nr. 118
  • Pierre Bonnard, Orangerie des Tuileries, Paris, 1967, Nr. 135
  • Pierre Bonnard, Musée Cantini, Marseille 1967, Nr. 28
  • Nudes - Nus - Nackte, Galerie Beyeler, Basel 1984, Nr. 10
  • Pierre Bonnard, Kunsthaus Zürich/Städel, Frankfurt am Main, 1984/1985, Nr. 141
  • Bonnard. Galerie Salis, Salzburg 1991, Nr. 21
  • I love Yellow, Galerie Beyeler, Basel 1996, Nr. 13
  • Das Auge des Sammlers - Monet bis Picasso, Bank Austria Kunstforum Wien, 1998, S. 35, Abb. S. 37, Kat. 5
  • Bonnard, Tate Gallery London /The Museum of Modern Art, New York 1998, Nr. 74
  • Bonnard, Fondation Pierre Gianadda, Martigny 1999, Nr. 56
  • Monet bis Picasso. Die Sammlung Batliner, Albertina, Wien 2007/2008, S. 85, Kat. 41
  • Bonnard et le Japon, Hotel de Caumont, Centre d'Art, Aix-en-Provence 2024, Cat. 105, S. 159
  • Ausst.-Kat. Nationalmuseum Stockholm Kat. 53, S. 42
  • Online resources
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    Last edited07.05.2026