Mädchentorso
Heinz Mack
1993
Sockel: 81,5 x 39,5 x 38 cm
Neben Großplastiken wie der fast fünf Meter hohen Bronze Große Kontemplation, die seit 1995 im Garten des Wohnhauses von Herbert und Rita Batliner steht[1], schuf Mack im Laufe der achtziger und neunziger Jahre auch zahlreiche Kleinplastiken in Holz, Messing oder Bronze. Gelegentlich verwendete er dafür auch ausgesuchte Steinsorten wie starkfarbigen Marmor oder tiefschwarzen Granit. Besonders erlesen wirkt der tiefblaue brasilianische Granit, aus dem die vorliegende Skulptur angefertigt ist. Denn seine reiche Marmorierung erzeugt interessanterweise eine ähnlich bewegte Oberflächenstruktur, wie wir sie aus den ZERO-Bildern von Mack kennen. Ungewöhnlich mutet auch der Holzsockel an, auf dem die Plastik platziert ist. Seine quadratische Standfläche ist am Rand mit einem Zackenfries ausgestattet, der geradezu an die Bekrönung eines mittelalterlichen Wehrturms erinnert.
Wie die Signatur auf dem Sockel belegt, geht die Idee zu der Skulptur bis ins Jahr 1953 zurück; ausgeführt hat sie Mack allerdings erst vierzig Jahre später. Im gleichen Jahr fertigte er davon zwei weitere Fassungen in weißem und in crèmefarbigem Marmor an[2], und 1998 liess er die Figur auch noch in Bronze gießen.[3] Dass die Idee zu dieser Plastik tatsächlich bis in Macks Studienzeit zurückreicht, beweist schon die Tatsache, dass es sich nicht wie üblich um ein ungegenständliches Werk handelt, sondern dass hier im Grunde ein Mädchentorso dargestellt ist, allerdings in stark abstrahierter Form. Erkennbar ist dies nicht nur an der Verschlankung der Form, welche die Taille der Figur andeutet, sondern auch an der Einbuchtung an der oberen Schnittfläche, die wohl den Halsansatz andeutet. Solche gegenständlichen Motive treten unter Macks Kleinplastiken immer wieder auf; so gibt es zum Beispiel auch eine Granit-Dame, eine Marmor- und eine Bronze-Dame.[4]
[1] Abgebildet bei: Rudolf Koella und Felix Billeter, Verborgene Meisterwerke R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz, Wien 2005, S. 10.
[2] Mack: Skulpturen / Sculptures 1986-2003, Einführung von Uwe Rüth, Mönchengladbach o.J. (2008?), Nrn. 1265 B und 1265 C.
[3] A.a.O. Nr. 1291.
[4] A.a.O. Nrn. 1250 A, 1250 B und 1250 C.
R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.), R. & H. Batliner Art Foundation. Neuerwerbungen 2005-2011 (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2012), Vaduz 2012, S. 88. Kat. 54.
