Klangfarben
Heinz Mack
1993
Rahmenaußenmaß: 151 × 181,5 × 3 cm
Wer dächte angesichts des tiefen Blaus dieses Bildes nicht an das berühmte Blau von Yves Klein, mit dem die ZERO-Künstler tatsächlich in engem Kontakt standen? Nur bildet dieses Blau bei Mack allein die Grundierung, vor der sich ein schillerndes Spiel aus lichten Buntfarben ausbreitet. Eine wunderbare Stille herrscht in diesem Bild. Es ist, als blicke man in einer sternklaren Nacht zum Himmel auf, über dessen tiefem Blau funkelnde Gestirne ihre Bahn ziehen. Die Lichthaltigkeit, das Erfülltsein mit Licht ist in der Tat eine besondere Qualität von Heinz Macks Malerei. „Malerei hat mich immer fasziniert, wenn sie von Licht erfüllt ist“, schrieb er 1992, „ Die Identität von Licht und Farbe, welche im Spektrum sichtbar wird, ist der Gegenstand meiner Malerei – es ist ihr einziger Gegenstand.“[1]
Mit Werken wie diesem, das dem Künstler zwei Jahre nach seiner Entstehung auch als Vorlage für ein riesiges Glasmosaik in der Kaufhof-Zentrale Köln diente[2], knüpfte er im Grunde wieder an seine ZERO-Zeit an. Nachdem die Malerei für ihn Jahrzehnte lang tabu gewesen war, griff er 1991, im Alter von 60 Jahren, erneut zum Pinsel und schuf eine Reihe großer und höchst beeindruckender Bilder (siehe auch Inv. GE260DL und Inv. GE390DL). Dass diese Kompositionen auch etwas mit Musik zu tun haben und ähnlich komponiert sind wie ein Musikstück, deutet der Titel des vorliegenden Bildes an – es heißt Klang-Farben. Während die kleinen geometrischen Formen den Rhythmus vorgeben, bilden ihre stark leuchtenden Farben eine Art Melodie, und all dies spielt sich auf einer blauen Fläche ab, die dem Bild wie ein Ostinato Tiefe und Volumen verleiht.
[1] Zitiert nach dem Ausst.-Kat. Mack – Skulpturen und Malerei, Galerie Lauter, Mannheim 1992, S. 65.
[2] Abgebildet im Ausst.-Kat. Utopie und Wirklichkeit im Werk von Heinz Mack, hg. von Wieland Schmied, Liechtensteinische Staatliche Kunstsammlung Vaduz, 1998, Nrn. 184
