Runder Teller mit Eule mit durchstoßenem Schnabel
Pablo Picasso
1957
Diese breitrandige Schale stellt insofern eine Ausnahme im keramischen Schaffen von Picasso dar, als sie nicht aus der für Vallauris typischen weißen Tonerde besteht, sondern aus rotem Ton. Auch ist sie nur einfarbig bemalt und nicht wie üblich glasiert. Dies gereicht jedoch keinesfalls zum Nachteil dieser köstlichen Keramik, ganz im Gegenteil. Wie locker und entspannt wirkt doch Picassos Pinselschrift und wie effektvoll hebt sich das matte Schwarz vom roten Untergrund ab! Man fühlt sich unwillkürlich an die antike Töpferkunst erinnert, insbesondere an die schwarzfigurigen Vasen und Schalen der alten Griechen. Dies übrigens auch in motivischer Hinsicht. Die abstrakten Ornamente auf dem Schalenrand und der kleine rundbäuchige Kauz, den diese umrahmen, haben eine echt primitivistische Ausdruckskraft. Aber auch eine Spur Humor fehlt nicht in dieser Darstellung. Witzig ist zumal die Idee, einen Materialfehler in der Schalenmitte zu einem bewussten Gestaltungselement aufzuwerten: der Durchbruch wird zum Mund des Vogels.
An die antike Vasenkunst erinnert auch die Tatsache, dass die Rückseite der Schale ebenfalls bemalt ist, wobei auf dieser Seite die schwarzen Ornamente durch Ritzungen eine zusätzliche Bereicherung erfahren. Die Zahlen auf dem Fuß der Schale halten dagegen das Entstehungsdatum der Keramik fest: sie wurde am 7. Mai 1957 geschaffen.
vgl. R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.), R. & H. Batliner Art Foundation. Neuerwerbungen 2005-2011 (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2012), Vaduz 2012, S. 64, Kat. 76.
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