Alpha Channel Green-W
Hubert Scheibl
2005-2006
„Malerei ist für mich ein Medium, das mir ermöglicht, Erkenntnisse zu machen, die mit meinem System zu denken, zu fühlen und zu schauen zu tun haben“, sagt Hubert Scheibl. Für ihn ist Malen also nicht, wie dies Jahrhunderte lang der Fall war, ein Akt der Nachahmung, sondern ein Akt der Erkenntnis, wobei dieses Erkennen die Summe sämtlicher menschlicher Wahrnehmungsmöglichkeiten umfasst. Für Scheibl ist ein Bild „ein Gedächtnisrest, eine Spur, die über das hinausweist, was zu sehen ist“, und es könne sogar „Widerstand leisten gegen das optische Spektakel“.[1]
Auf Scheibls Bildern nach Dingen zu suchen, die sich auf die Welt der sichtbaren Erscheinung beziehen, ist daher aussichtslos. Entweder lässt sich der Künstler von Filmdrehbüchern inspirieren, wie demjenigen zu Stanley Kubricks futuristischer Space Odyssey (Inv. GE199DL und GE318DL) oder von Phänomenen aus der modernen Wissenschaft und Technik. So ist der Begriff Alpha Channel, der hier gleich in zwei Bildtiteln (siehe auch GE321DL) erscheint, der modernen Informationstechnologie entnommen. Zu verstehen ist darunter ein spezieller Kanal, mit dem sich in Rastergraphiken die Transparenz einzelner farbiger Pixel speichern lässt. Nicht aber, dass Scheibl deshalb dem konventionellen Malerhandwerk untreu würde: Er schafft seine Bilder nicht am Computer, sondern sie sind immer das Resultat von heftigstem Körpereinsatz. Bei ihm ist das Bild, wie er selber sagt, ganz „an die Bewegung des menschlichen Körpers gebunden. […] Es ist ein physikalisches Dokument des Ausdrucks meiner Hand und meines Geistes.“[2]
Wie stark das Gestische Scheibls Malerei prägt, zeigen die vorliegenden Beispiele mit aller Deutlichkeit. Bezeichnend ist schon ihre imposante Größe, die vom Maler unweigerlich weitausladende Gesten verlangt. Gemalt wurden diese Bilder in einem einzigen Arbeitsgang, wobei der Künstler mit Hilfe von Spachteln und Rakeln die Farbe Schicht um Schicht übereinander legte. Allerdings ist die Farbhaut oft so porös, dass das Darunterliegende durch das Darüberliegende hindurch sichtbar bleibt. Gelegentlich bricht der Künstler die oberste Malschicht auch gewaltsam auf, um die unteren Schichten noch besser sichtbar zu machen, oder er kratzt mit einem spitzen Gegenstand Vertiefungen in die feuchte Farbe. All dies verleiht dieser Malerei nicht nur eine fast haptisch erfahrbare Körperlichkeit, sondern auch Tiefe.
[1] Zitiert nach dem Ausst.-Kat. Hubert Scheibl – From Monday to Monday, Triest 2008, S. 37.
[2] A.a.O., S. 34.
R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.), R. & H. Batliner Art Foundation. Neuerwerbungen 2005-2011 (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2012), Vaduz 2012, S. 122, Kat. 97.
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