Alisio
Hubert Scheibl
2007-2008
Hubert Scheibl – geboren 1952 in Gmunden – war einst in Wien Schüler von Max Weiler (Inv. GE197DL) und Arnulf Rainer (GE159DL), bevor er mit ein paar Gleichaltrigen wie Siegfried Anzinger (Inv. DL332) und Hubert Brandl (Inv. GE170DL) aus dem Korsett der Akademie ausbrach und zum „neuen Wilden“ wurde, durchaus mit dem erwünschten Erfolg. Seine Wildheit hat der Künstler unterdessen weitgehend abgelegt, und damit verschwand aus seiner Malerei auch alles Aufrührerische und Anklägerische. Ihn interessieren jetzt mehr rein handwerkliche Belange sowie das, was er selber die „Alchemie des Sehens“ nennt.[1] Damit meint er jenen geheimnisvollen Prozess, der aus einem Bild nicht ein banales Abbild, sondern etwas völlig Anderes, Unvergleichliches, Erhabenes macht. Dies heißt nicht, dass diese Bilder völlig realitätsfern wären. Wenn man Querformate wie das hier abgebildete betrachtet, und wenn diese wie hier einen tief liegenden Horizont aufweisen, fühlt man sich unweigerlich an eine Landschaft erinnert – vielleicht nicht so sehr an eine irdische, sondern eher an eine kosmische, planetarische. So etwa könnte man sich das Weltall vorstellen, seine schillernden Farbnebel, seine Eiseskälte und seine Totenstille.
Wie man sieht, bezieht seine Malerei ihre Energie einerseits aus der Materialität der dick aufgetragenen Farbe, andererseits aus dem Impetus eines sehr schnell ablaufenden gestalterischen Prozesses. Weil der Künstler die Farbe Nass in Nass aufträgt und dafür nicht den Pinsel, sondern den Spachtel verwendet und weil er gerne extrem große Formate wählt, die einen starken Körpereinsatz verlangen, entstehen Bilder von starker sinnlicher Präsenz. Tiefe erhalten sie dadurch, dass Scheibl sich nicht mit einer einzigen homogenen Farbhaut begnügt, sondern die Farbe in Schichten aufträgt, und zwar so, dass das Darunterliegende wenigstens andeutungsweise stets sichtbar bleibt. Dass bei dieser Arbeitsweise der Zufall eine wichtige Rolle spielt, versteht sich von selbst; umso bewundernswerter ist es, wie solide komponiert Scheibls Bilder anmuten.
R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.), R. & H. Batliner Art Foundation. Neuerwerbungen 2005-2011 (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2012), Vaduz 2012, S. 124, Kat. 99.
