Aktselbstbildnis
Egon Schiele
1918
Das „Aktselbstbildnis“ von 1918 gehört zu jener Gruppe an Studien, mit denen Schiele das große Gemälde des „Kauernden Menschenpaars“ (Österreichische Galerie Belvedere, Wien http://digital.belvedere.at/emuseum/view/objects/asitem/items$0040:3071§) vorbereitet. Der überlange linke Arm mit der riesigen, auch im Gemälde unvollendeten und nur summarisch gezeichneten Hand ist in der Kreidezeichnung vorgebildet. Selbst die Tatsache, dass auf dem Gemälde die Füße Schieles vom Oberkörper der Frau bzw. einem Tuch überschnitten werden und daher nicht sichtbar sind, berücksichtigt die Detailstudie. In ihrem krakeligen Zeichenstil unterscheidet sich diese expressive Studie markant vom eleganten Linienfluss der vielen Akt- und Porträtzeichnungen von 1918. Eine expressive Unruhe bemächtigt sich der Gestalt in den vielen amorphen Kringeln und Spiralen, die wie wilde Tätowierungen Körper und Gesicht überziehen.
Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 376.
