Die Vorbauten von Alt-St. Peter und der Vatikanische Palast
Maarten van Heemskerck
um 1532/1534
Maarten van Heemskerck lebte von 1532 bis 1536 in Rom. Dort hat er, wie Van Mander berichtet, »seine Zeit weder verschlafen, noch bei den Niederländern mit Saufen und dergleichen totgeschlagen, sondern eine große Menge von Dingen [...] abgezeichnet«. Die meisten seiner Studien nach antiker Skulptur, Ruinen und »modernen« Bauwerken befinden sich in den »Römischen Skizzenbüchern« des Berliner Kupferstichkabinetts (Inv. Nr. 79, D 2,3). Zu seinen wenigen Ansichten aus Rom außerhalb dieser Alben gehört der auf zwei aneinandergestückten Papieren gezeichnete Prospekt des Petersplatzes.
Von einem hochgelegenen Standort zeichnete Van Heemskerck die wichtigsten Gebäude. Links führt eine breite Freitreppe zu den Vorbauten von Alt-St. Peter. Die prachtvolle dreigeschossige Loggia delle Benedizioni blieb offensichtlich unvollendet: Dass sie um mindestens zwei Joche erweitert werden sollte, ist an den Säulenpostamenten links und den ins Leere führenden Bogenansätzen zu erkennen. So aber ist links der Blick freigegeben auf den alten Vorbau mit Resten des gregorianischen Mosaiks sowie den Langhausgiebel und die Fensterrose der Konstantinischen Basilika. Vom Neubau des Petersdomes, der Van Heemskerck zu einigen beeindruckenden Zeichnungen inspirierte (Berliner Skizzenbuch, Band II, fol. 51 r, fol. 54 r), sind hier nur die östlichen Vierungsgurte und ein Pfeiler zu sehen. Wahrzeichen des alten Petersdomes war der Glockenturm aus dem 8. Jahrhundert. Unterhalb des Turmhelmes waren Pechpfannen angebracht – mit zart verschlungenen Linien markierte Van Heemskerck den aufsteigenden Rauch.
Links wird die dem Betrachter zugewandte Gebäudefront komplettiert durch den Palazzo del Arciprete. Rechts grenzt der Vatikanische Palast an die Vorbauten von Alt-St. Peter. An der steilen Rampe zum Eingangstor stehen deutsche Soldaten: Die »guardia tedesca« hatte auf Anweisung Karls V. nach dem Sacco di Roma die Schweizergarde ersetzt.
Bildbeherrschendes Bauwerk in der rechten Hälfte des Blattes ist der älteste Flügel der Vatikanischen Loggien an der Nordseite des Cortile di S. Damaso. Links dahinter sind die Obergeschosse der Sixtinischen Kapelle zu sehen, rechts der Korridor zum Belvedere mit seinem am 7. Januar 1531 zum Teil eingestürzten Tonnengewölbe. Van Heemskerck dokumentierte diese Schäden und einen Teil der Inschrift des darunterliegenden Frieses (»IVLIVS II«). Zur rechten Seite hin wird die Szene abgeschlossen von der Porta Sancti Petri. Durch die Borgomauer führte der Passetto di Borgo als Fluchtweg in die sichere Engelsburg.
Die vatikanischen Anlagen faszinierten viele Zeichner des frühen 16. Jahrhunderts. In Chatsworth befindet sich eine dem »Anonymus B« zugeschriebene Darstellung des gleichen Prospekts von circa 1540 (The Duke of Devonshire and the Chatsworth Settlement Trustees, Inv. 839B). In ihrer Akkuratesse und Verlässlichkeit blieben Van Heemskercks römische Veduten aber unübertroffen. Zugleich zeigen sie ein Stück römischer Alltagswirklichkeit, auch wenn Staffagefiguren wie der Kardinal auf dem Maultier oder die flüchtig skizzierten Figuren am Brunnen natürlich in erster Linie zur Visualisierung der Größenverhältnisse eingesetzt wurden. Zudem war Van Heemskerck, wie viele andere Niederländer in Rom, ein Meister in der Wiedergabe des südlichen Lichts, mit Mut zur unbearbeiteten Fläche und starken Helldunkelkontrasten.
Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 37, S. 80.
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