Skizzenblatt mit Studie nach der spätantiken Figurengruppe "Amor und Kentaur", zwei Äpfeln und einer Badenden
Paul Cézanne
1879-1882
Von Cézanne sind etwa 1250 Zeichnungen bekannt, wovon ca. 400 Kunstwerke die Vergangenheit kopieren. Der Großteil wurde nach Skulpturen gezeichnet, darunter 57 nach der Antike. Zu dieser Gruppe gehört auch das vorliegende Skizzenblatt, das die hellenistische Marmorgruppe "Kentaur, der von Amor gebändigt und gequält wird" aus dem Louvre rezipiert. Cézannes Studien nach der Antike zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie zumeist blattfüllend-monumental angelegt sind. Mit eher sparsamen, dafür umso kräftigeren Bleistiftstrichen und einem Mindestmaß an Schraffuren überträgt Cézanne den plastischen, dreidimensionalen Eindruck kongenial in die Fläche.
Das Studienblatt zeigt im unteren Drittel zwei Äpfel, eines von Cézannes Lieblingsmotiven, das sein gesamtes Œuvre durchzieht, sowie eine Studie für die weibliche Badende in Rückenansicht, nach rechts schreitend, die als eine der Hauptprotagonisten in diversen Fassungen der "Badenden" meist mit leichten Veränderungen in Form und Gebärde wiederkehrt. Sie ist unterhalb der Kentaurengruppe verkehrt zu sehen, wobei Cézanne ihre Beinstellung in doppelter Weise nützt, indem sie zugleich auch im Ansatz die Hinterbeine des Pferdeleibes simulieren. Der Frauenakt weist in seiner Körperhaltung vor allem Ähnlichkeiten zu dem Typus in den Gemälden der "Drei Badenden" (Venturi 1936, Nr. 382) und der "Fünf Badenden" (Venturi 1936, Nr. 385) auf, die zwischen 1879-1882 entstanden sind.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 80, Nr. 32.
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