Edgar Degas, Zwei Jockeys, Inv. Nr.: 24120
Zwei Jockeys
Edgar Degas, Zwei Jockeys, Inv. Nr.: 24120
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Zwei Jockeys

Edgar Degas

um 1887-1889




Künstler:in (Paris 1834 - 1917 Paris)
Dateum 1887-1889
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide
Dimensions23,4 x 29,3 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number24120
Markingsl.u. Nachlassstempel Edgar Degas in Schwarz (Lugt 658)
Text

Die Darstellung von Pferden und Jockeys gehörte neben dem der Balletttänzerinnen (siehe Inv. 24121, Inv. 24124) zu Degas´ Lieblingsthemen. Sein Interesse für Pferde zeigt sich schon in frühen Kopien wie z.B. nach Gipsen des Parthenonfrieses, nach #Uccellos "Schlacht von San Romano", #Gozzolis "Zug der Heiligen Drei Könige" oder nach Pferdedarstellungen #van Dycks oder #Géricaults (AK Washington 1998, S. 16-35). Ab den sechziger Jahren wendet er sich dann verstärkt diesem Themenbereich zu. Ausschlaggebend dafür war vermutlich Degas´ Aufenthalt auf dem Landgut Ménil-Hubert seines Freundes #Henri de Valpinçon im Herbst 1861, das in der Nähe von Haras-le-Pin, einem der führenden Gestüte Frankreichs, lag. Kurz danach entstehen seine ersten Pferdesportbilder, hauptsächlich Szenen aus den Rennen von Longchamps, ein Sujet, das ihn die nächsten vier Jahrzehnte immer wieder beschäftigen sollte. Zahlreiche Skizzen in Aquarell, Kreide, Kohle, Rötel, Pastell, Blei- und Farbstift belegen Degas´ geradezu fanatische Suche, die einzelnen Bewegungsphasen des Pferdes, ihren sukzessiven Ablauf, die unterschiedlichsten Ansichten der Tiere, ihr Verhalten vor, während oder nach einem Rennen, die Körperhaltung des Jockeys sowie das Zusammenspiel von Pferd und Reiter zu erfassen. Diese Studien, die ein Motiv häufig mehrfach variieren, bilden den Grundstock für Bildkompositionen und Kleinplastiken.
Die vorliegende Studie zeigt zwei Jockeys zu Pferd in Seitenansicht. Degas verzichtet dabei auf die Darstellung der Tiere, da seine Aufmerksamkeit in erster Linie der Körperhaltung der beiden Reiter gilt: der eine ist streng im Profil, den Oberkörper leicht nach rückwärts geneigt mit angezogenen Zügeln wiedergegeben, während sich der andere nach vorne neigt und sein Gesicht dem Betrachter zuwendet. In einer zweiten Zeichnung (Nachlassversteigerung Degas III, Nr. 104, 1) beschäftigt Degas der räumliche Aspekt, indem er die beiden Figuren nicht mehr musterbuchartig in einer Bildebene, sondern hintereinander gestaffelt anordnet.
Die zwei Jockeys bilden die Vorlage für die beiden Reiter im Hintergrund des um 1887-1889 entstandenen Pastells "Vor dem Rennen", Cleveland Museum of Art (AK Tübingen/Berlin 1984, Nr. 148), und der späteren Variante "Rennpferde" von ca. 1895-1900, National Gallery of Canada, Ottawa (AK Washington 1998, Nr. 103, S. 169). Erste Ideen zu dieser Bildkomposition spiegelt eine Kohlezeichnung  (Nachlassversteigerung Degas II, Nr. 270) wider, in der nun sowohl Reiter als auch Pferde - bereits mehr in den Hintergrund gerückt - sowie der dritte Jockey links vor ihnen zu sehen sind.
Im Gegensatz zu den bildhaft komponierten Reitsportszenen entstanden die Einzelstudien zumeist nach der Natur und dienten als Formenrepertoire, auf das Degas dann nach Bedarf zurückgreifen konnte.

 

zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 178, Nr. 78.

Catalogue raisonné
  • Ekelhart 2007, 78
  • Bibliography
  • Nachlassversteigerung Degas IV, Nr. 374, Abb.
  • AK Hamburg 2009, Nr. 143, Abb. S. 299
  • Provenance
  • Nachlass Degas
  • Simon Meller
  • 1924 erworben
  • Online resources
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    Last edited29.11.2021