Edgar Degas, Balletteuse, an der Stange übend, Inv. Nr.: 24121r
Balletteuse, an der Stange übend
Edgar Degas, Balletteuse, an der Stange übend, Inv. Nr.: 24121r
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Balletteuse, an der Stange übend

Edgar Degas

Anfang 1880er-Jahre




Künstler:in (Paris 1834 - 1917 Paris)
DateAnfang 1880er-Jahre
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide
Dimensions31 x 23,6 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number24121r
Markingsl.u. Nachlassstempel Edgar Degas in Rot (Lugt 658)
Text

Degas entdeckte um 1870 die Welt der Bühne und vor allem des Tanzes. Das Ballett wurde wie der Pferdesport zu einem zentralen Thema, dem er sich jahrzehntelang gewidmet hat. Degas hatte als bevorzugter Abonnent der Pariser Oper freien Zutritt in das Foyer de la Danse, dem Übungsraum der Tänzerinnen. Obsessiv beobachtet und zeichnet er nicht nur die Stars oder das Corps de Ballet auf und hinter der Bühne, sondern vor allem die Elevinnen, die "petits rats", während ihres Trainings. Was Degas im Grunde faszinierte, war die stilisierte Kunstform des Tanzes, die Künstlichkeit der Bewegungen, die in keiner Weise der Realität entsprachen. Diese suchte er bei der harten Probenarbeit, wo er die Mädchen bei den Übungen an der Stange, aber auch in den Pausen und bei alltäglichen Verrichtungen wie dem Binden der Schuhe oder dem Zurechtrücken des Kostüms festhielt. Immer wieder zeichnet Degas eine bestimmte Haltung oder Geste: "Man muß das selbe Motiv zehnmal, hundertmal neu machen. Nichts in der Kunst darf wie ein Zufall aussehen, nicht einmal die Bewegung." (aus einem Brief Degas´ an Albert Bartholomé vom 17.1.1886, zit. bei Graber 1942, S. 67)
Die Albertina-Studie zeigt eine junge Elevin beim Training an der Stange. Mit größter Ökonomie hält Degas sie in Seitenansicht bei der Übung "battements sur les pointes à la barre" fest. Seine Aufmerksamkeit zielt dabei vor allem auf den Bewegungsvorgang, den er mit Hilfe synchron nebeneinander gezeichneter Arm- und Beinpositionen - Filmsequenzen ähnlich - dem Auge aufzuschlüsseln sucht. Darüber hinaus pflegte er ein Sujet aus verschiedenen Blickwinkeln zu analysieren und wie mit einer Kamera zu umkreisen: in Rückenansicht hält Degas ein weiteres Ballettmädchen bei der gleichen Übung fest, wobei er auf diesem Blatt auch den fachspezifischen Namen notiert (Browse 1949, Nr. 76, Abb.). Dieselbe Ballerina wie auf der Albertina-Zeichnung hat Degas auch noch in sitzender Stellung während einer Erholungspause skizziert (AK St. Louis/Philadelphia/Minneapolis 1967, Nr. 100, Abb. S. 157). Diese Blätter gehören zu einer Reihe von Anfang der 1880er-Jahre entstandenen Studien, die junge Ballettelevinnen bei verschiedenen Übungen an der Stange zeigen (z.B. Browse 1949, Nr. 76-78).

 

zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 174, Nr. 76.

Catalogue raisonné
  • Ekelhart 2007, 76
  • Bibliography
  • Nachlassversteigerung Degas III, Nr. 112/1, Abb.
  • AK Albertina 1950, Nr. 228
  • AK Hamburg 2009, Nr. 26, Abb. S. 144
  • Provenance
  • Nachlass Degas
  • Simon Meller
  • 1924 erworben
  • Online resources
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    Last edited29.11.2021